Was meine Fernsehzeitung über mich sagt

Man mag es mir zwar auf den ersten Blick nicht ansehen, aber ich bin kein Mensch. Zu diesem Ergebnis kam ich nach verschiedenen Tests in meiner Fernsehzeitung.

Die veröffentlicht in regelmäßigen Abständen so hübsche Fragebögen, mit denen die Leser mehr über sich selbst erfahren können. Dinge wie Meinungen zu etwas, gelesene Bücher oder Sachen, für die man sich einsetzt, wären natürlich zu langweilig. Die Wege zur Selbsterkenntnis führen bei meiner Fernsehzeitung über Tapetenfarben, Frisuren und Fernsehserien.

„Zeig mir wie du wohnst, und ich sag dir, wie du bist“ heißt es da beispielsweise beim Test „Welcher Tapeten-Typ sind Sie?“. Laut des Tests überlässt der Pragmatiker bei der Tapetengestaltung nichts dem Zufall und hat eine Vorliebe für klare Formen, beim Unbekümmerten müssen Farben und Muster nicht unbedingt zusammen passen, der Prestigebewusste hat seine Tapeten perfekt auf sein Leben abgestimmt und der Wild-Kreative steht auf ausgefallene Farbmixe und starke Muster. Eines allerdings fehlt – die bei mir in den meisten Räumen anzutreffende Raufasertapete. Hm.

Vielleicht erfahre ich ja beim nächsten Test mehr über mich. Immerhin verspricht der Untertitel: „Was Ihre Lieblingssendung über Sie verrät“. Zur Auswahl stehen die ARD-Nonnen aus „Um Himmels Willen“, die amerikanische Krimiserie „CSI Miami“, der Heimatkrimi „Hubert und Staller“, die „Lindenstraße“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und die Sitcom „Two and a half Men“. Die einzige der Sendungen, die ich ab und zu einmal sehe, ist „CSI Miami“. Der Einschätzung des Zeitungseigenen Medienpsychologen kann ich mit der „Betroffenheitskultur deutscher Krimis“ nichts anfangen. Stimmt. Der „Tatort“ läuft bei mir sonntags auch immer nur, weil ich das Flimmern des Bildschirmes so beruhigend finde.

Bleibt noch der letzte Test, um endlich herauszufinden, wer ich bin: „Was die Frisur verrät.“ Untertitel: „Zeig mir deine Haare, und ich sag dir, wer du bist.“ Na, das klingt doch vielversprechend. Hätte ich eine Kurzhaarfrisur, dann wäre ich eine selbstbewusste und kompetente Frau. Könnte ich eine wallende Lockenpracht mein Eigen nennen, wäre ich ein lebendiger und optimistischer Mensch. Und bei langen und glatten Haaren würden Ordnung und Struktur mein Leben bestimmen. Allerdings habe ich weder kurze noch lockige noch lange Haare.

Und so bleibt mir nach der Auswertung der drei Tests nur ein Schluss: Ich bin kein Mensch. Was ich jedoch bin, das verrät mir ja vielleicht demnächst ein weiterer Test in meiner Fernsehzeitung.

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