Dreifarbiger Wahnsinn

Ach, wie schön war es doch damals, im Jahr 2006. Damals, als die Fußball-WM Deutschland ein Sommermärchen bescherte und ich als eine der wenigen mit einer Deutschland-Fahne am Auto rumfuhr. Kaum zu glauben, aber damals waren solche WM-Devotionalien kaum zu bekommen. Anders als heute.

Inzwischen kann man kaum noch in ein Geschäft gehen, ohne von schwarz-rot-goldenen Dingen erschlagen zu werden. Waren es früher noch klassische Fan-Artikel wie Fahnen, T-Shirts oder Schminkstifte, sind es inzwischen ziemlich abstruse Dinge. Ich habe mir in den letzten Wochen mal den Spaß gemacht, ein paar Dinge aufzuschreiben.

Die Kitsch-Freundin, die früher in mir steckte, hätte sich beim Dänischen Bettenlager wohl wie im Paradies gefühlt. Denn dort gab es nicht nur eine Musik spielende Fahne, sondern auch einen Klappstuhl, der mit den Daten der deutschen WM-Titel bedruckt ist. Für den vergesslichen Fan. Wobei der vergessliche und zugleich optimistische Fan dann doch lieber zu den mit der deutschen Flagge sowie den Jahreszahlen 1954, 1974, 1990 und 2014 bedruckten Stuhlauflagen greifen sollte.

Für den (zugegeben seeeehr unwahrscheinlichen) Fall, dass die deutsche Mannschaft doch verlieren sollte, bietet es sich an, sich den offiziellen DFB-Fußball aus dem Penny-Sortiment zuzulegen. Bedruckt ist dieser Ball mit den Köpfen von Hummels, Götze und Özil und nach einer Niederlage der deutschen Elf kann der Fan ein paar mal gepflegt gegen den Ball treten und so seinen Frust auf die Mannschaft abzubauen. Oder, wer nicht ganz so brutal werden möchte, kauft sich in der Nationalmannschaftsedition von Monopoly eben ein paar eigene WM-Höhepunkte.

Überhaupt Penny, dort gab es in den vergangenen Wochen auch patriotisch gefärbte Nudeln und sogar Zahnbürsten mit roten, schwarzen und gelben Borsten. Die lassen sich nach dem Genuss der ebenfalls dort erhältlichen Fußball-Pringles nutzen. Passend zu den Ländern, in denen die deutsche Mannschaft schon Weltmeister-Titel holte, schmeckt die Sorte 1954 nach Käse und 1990 nach italienischer Focciaca. (Welches Aroma die Sorte 1974 hat weiß ich nicht. Sauerkraut vielleicht?).

Eigentlich hatte ich vor, meinen Text mit ein paar ironischen Vorschlägen für weitere Produkte zu beenden. Doch jeden Tag habe ich absurdere Fußball-Fan-Dinge entdeckt, für die selbst meine Phantasie nicht ausreicht. Neustes Beispiel: Eine schwarz-rot-gelbe Küche!!!

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P.S.: An dieser Stelle muss ich ein Geständnis machen. Denn so verrückt ich all diesen Fußballkram auch finde, ganz widerstehen konnte ich ihm trotzdem nicht. Und so kaufte ich vor ein paar Tagen eine Haribo-Tüte mit dreifarbigem Fruchtgummi. Asche auf mein Haupt. Immerhin waren sie lecker.