Früher war alles besser…

Ich bin noch nicht alt, vor ein paar Monaten bin ich grade erst 33 Jahre alt geworden. Trotzdem ertappe ich mich in letzter Zeit immer wieder bei dem Gedanken: „Früher war alles besser.“ Naja, vielleicht nicht wirklich besser. Aber entspannter, einfacher, genügsamer.

Das erste Mal kam mir der Gedanke, als mir vor ein paar Wochen die Kiste mit den alten Legosteinen in die Hände fiel. In meiner Erinnerung hatten meine Schwester und ich unheimlich viel Lego, waren die beiden Curver-Kisten ausgekippt, so war vom Fußboden im Kinderzimmer nicht mehr viel zu sehen. Jetzt aber schaute ich mir diese übersichtliche Menge an Platten und bunten Steinen an und war erstaunt, wie wenig Legosteine wir doch in Wirklichkeit hatten. Jedenfalls nach heutigen Maßstäben.

Ein paar Tage später sortierte ich ein paar alte Kochbücher aus. Dabei waren auch ein Haufen rund 30 Jahre alte Rezeptkarten. Einerseits waren die wirklich ziemlich lustig – ich denke, belegte Brote bekomme ich so grade eben auch ohne Rezept hin. Andererseits aber haben mir diese Karten auch wertvolle Ideen gegeben. Besonders, weil viele der Rezepte aus nur wenigen Zutaten bestehen. Im Gegensatz zu vielen Vorschlägen in aktuellen Kochbüchern werden für eine leckere Mahlzeit nur wenige Zutaten gebraucht. Perfekt, wenn man nur noch ein paar Reste hat, die man aufbrauchen will.

Und schließlich stand ich Anfang der Woche ziemlich überfordert in der Drogerie vor dem Regal mit Babyartikeln. (Ja, das hat seinen guten Grund, der in wenigen Wochen bei uns einziehen wird.) Nicht nur, dass es so unheimlich viele verschiedene Cremes, Seifen, Duschgele, Puder und Waschlotionen gibt. Nein, es gibt den ganzen Kram auch noch von diversen verschiedenen Marken. Neben mir stand eine ebenso überforderte Großmutter. „Zu meiner Zeit damals gab es grade mal Bübchen und Penaten“, sagte sie zu mir. Und mir schoss durch den Kopf, wie schön, wenn das auch heute noch so wäre.

Ich bin nicht der Meinung, dass unsere Eltern und Großeltern es einfach hatten. Jeder Zeit hat ihre eigenen Probleme. Aber manchmal wünsche ich mir, dass unsere heutige Zeit nicht so anspruchsvoll wäre und wir uns auch mit simpleren Dingen zufrieden geben würden. Simpel muss eben nicht automatisch eingeschränkt oder unglücklich bedeuten. Im Gegenteil: Auch mit wenig Legosteinen hatten meine Schwester und ich eine glückliche Kindheit.

Also versuche ich, ein wenig dieser einfacheren Lebensweise in meinen Alltag zu integrieren. Den Anfang machten dabei einige Rezepte der Kochkarten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von alleine nicht unbedingt drauf gekommen wäre, dass man mit Möhren, Curry und Nudeln ein so leckeres Mittagessen kochen kann.

Zum Thema „Überforderung im Supermarkt“ schrieb ich übrigens schon einmal den Text „Keine Wahl„.