Weit draußen

Es hat schon seine Vorteile, außerhalb zu wohnen. Von meinem Wohnzimmer aus kann ich im Frühling die süßen kleinen Lämmer des benachbarten Bauern sehen, im Herbst schimmert ein großer See durch die Bäume und im Winter streunen öfter mal Rehe durch den Garten. Es gibt aber eine Situation, in der es wirklich unpraktisch ist, vor den Toren der Stadt (in meinem Fall des Dorfes) zu wohnen. Nämlich immer dann, wenn ich auf ein Paket warte.

Unsere Adresse ist nämlich aus zwei Gründen speziell. Nicht nur, dass wie außerhalb wohnen. Wir haben auch keine Hausnummer. Wie noch einige andere Häuser, die dieselbe Adresse haben. Regelmäßig bekomme ich nach Onlinekäufen Anrufe, ob ich auf dem Bestellformular nicht vielleicht die Hausnummer vergessen habe. Nein, habe ich nicht.

Das größere Problem aber sind die Paketdienste, deren Fahrer sich meist nicht so gut in der Gegend auskennen und auch nicht die Zeit haben, lange nach uns zu suchen. Meistens bekomme ich nach einiger Zeit einen Brief, dass man mich nicht finden konnte und ich meine Lieferung bitte im nächsten Shop abholen soll. (Die Ironie dabei, dass die Lieferdienste es der Post zutrauen, mich zu finden, gefällt mir allerdings sehr.)

Manchmal aber ruft die Lieferzentrale mich an und nach ausführlicher Wegbeschreibung kommt meine Bestellung dann doch bei mir an. So wie vergangene Woche. Wie kompliziert die Auslieferung aber gewesen sein muss, zeigten diverse Notizen auf meinem Paket. Im ersten Anlauf hatte der Paketbote uns mal wieder nicht gefunden und seiner Verwirrung auf dem Paket Raum gegeben. „Und wo soll das sein?“ hatte er neben unsere Adresse geschrieben. Gleich daneben die Reaktion aus der Zentrale: „Das stimmt schon, es gibt keine Hausnummer.“ Ich kann nicht beurteilen, ob der Mann danach noch einen vergeblichen Zustellversuch startete. Auf jeden Fall stand auf einem dritten Zettel meine Wegbeschreibung. Die offensichtlich hilfreich war. Und bei dem Paketboten für Erleichterung sorgte, denn bei der Auslieferung begrüßte er mich mit den Worten: „Na, da hat es ja doch noch geklappt.“

Nicht geklappt hat es leider bei einem anderen Paketdienst. Obwohl die sich auch wirklich Mühe gaben und auf mein Paket einen Ausdruck von Google Maps geklebt hatten. Und auf diesem Ausdruck war unsere Adresse sogar richtig markiert.

Einen Vorteil hat die ganze Sache mit der fehlenden Hausnummer aber doch. Denn regelmäßig kann ich mir meine Hausnummer aussuchen. Das liegt daran, dass viele Computerprogramme streiken, wenn man keine Hausnummer angibt. Und so haben wir bei der Zulassungsstelle die Hausnummer 0, bei diversen Onlinehändlern die Nummer 1 und bei der Telekom die Hausnummer 99.