Die Macht der Maschinen

Ich habe mich ja inzwischen schon daran gewöhnt, dass mein Auto mir Vorschriften machen will. Fahre ich drei Meter ohne mich angeschnallt zu haben (nur um das klar zu stellen: auf dem Parkplatz natürlich), dann pingt es und ein Symbol leuchtet in grimmigem Rot auf. Und halte ich mich frecher Weise einmal nicht an die vom Navi favorisierte Route, dann fordert mich die Stimme des kleinen Kastens in freundlich-penetrantem Ton dazu auf, die nächste Straße links abzubiegen oder bitte zu wenden. Jetzt aber macht mein Auto mir nicht nur Vorschläge – es entscheidet gleich ganz für mich.

Vorige Woche war ich bei Nebel unterwegs. Es war so eine richtig dicke, weiße Suppe, man konnte kaum 50 Meter weit sehen. Als mich der erste entgegenkommende Wagen anblinkte überlegte ich noch, wer mich da wohl gegrüßt hatte. Beim zweiten Fahrer war ich dann schon ein wenig irritiert. Beim dritten fing ich an mir Sorgen zu machen. Also parkte ich beim Einkaufen ganz nah an der Wand des Supermarktes um so prüfen, ob meine Scheinwerfer auch richtig eingestellt waren. Leider konnte ich das aber nicht beurteilen, denn da an der Wand war kein Licht zu sehen. Für die Heimfahrt legte ich den Schalter dann von „Automatik“ auf normale Lichteinstellung um und nahm mir fest vor, mich beim Gatten über die blöde neumodische Technik zu beschweren, die nach so kurzer Zeit schon kaputt geht.

Leider nahm mir Daheim das Grinsen des Gatten den ganzen Wind aus den Segeln. Feixend klärte er mich darüber auf, dass die Automatik-Einstellung beim Licht nicht nur bedeutet, dass das Licht beim Starten des Motors alleine an- und später auch wieder ausgeht. Sondern dass das Auto auch ganz automatisch entscheidet, ob ich überhaupt Licht brauche. Und die dicke weiße Nebelsuppe war der Karre offensichtlich hell genug. (Ich hingegen wäre gerne rechtzeitig zu sehen gewesen. Aber das kann dem Wagen ja egal sein.)

Ich bin ja gespannt, was als Nächstes kommt. Knallt das Auto vielleicht selbständig die Kofferaumklappe zu wenn es der Meinung ist, ich habe schon genug Koffer für den Urlaub eingeladen? Schwenken die Pedale beiseite, wenn ich meine Schuhe nicht ordentlich genug geputzt habe? Oder geht eventuell die Dachluke im Regen auf, wenn mein Auto findet, mir würde auch der Wet-Look gut stehen?

Babyblau

Schaut man sich in den Abteilungen für Babykleidung um, dann fällt sofort auf: Eltern bleibt kaum etwas anderes übrig als ihre Söhne in blau und ihre Töchter in rosa zu kleiden. Zwar ist es uns gelungen, für unseren zwei Monate alten Sohn einige Strampler in grau, braun und türkis zu finden. Aber Kinderwagen, Schonbezug für die Babyschale, Schneeanzug und erste Mütze sind blau. Er sollte also unterwegs eindeutig als Junge zu identifizieren sein. (Außerdem hat er meiner Meinung nach auch keine besonders weiblichen Züge.)

Trotzdem scheint das Geschlecht meines Kindes regelmäßig Fragen aufzuwerfen. Beim ersten Mal wurde wenigstens noch „Junge oder Mädchen?“ gefragt. Kurz überlegte ich, ob ich einfach mit „Ein Mädchen natürlich!“ antworten sollte. Noch schöner aber war es kurze Zeit später beim Einkaufen. Eine ältere Dame stand neben meinem Einkaufswagen, strahlte meinen Sohn an und wollte wissen, wie alt SIE denn sei. Da fiel selbst mir keine schlagfertige Antwort mehr ein. Um von Anfang an Klarheit zu schaffen habe ich am Kinderwagen einen blauen Anstecker mit der Aufschrift „Prinz“ angebracht.

Inzwischen ist der Lütte aus seiner blauen Mütze rausgewachsen und trägt eine braune Teddymütze. Ich warte schon darauf, wann mich jemand auf das süße Monchichi in meinem Kinderwagen anspricht.

Geschenkte Gäule

Als ich noch ein Kind war, da hatte meine Mutter im Wohnzimmerschrank immer ein paar Notfallgeschenke parat liegen. Flatterte eine spontane Einladung ins Haus, dann kramte sie eine schwarze Kartenspiel-Box hervor. Oder, wenn es sich um ein Kind handelt, etwas Süßes. Zu einem Kindergeburtstag, zu dem ich erst wenige Stunden zuvor eingeladen worden war, ging ich einmal mit zwei hübsch verpackten Tafeln Schokolade.

Ich bin nicht so gut vorbereitet wie meine Mutter. Sollte ich überraschend eingeladen werden, dann schaue ich in meine Weinvorräte oder in meine Süßigkeitenschublade und suche eine Flasche Hochprozentiges oder eine Schachtel Pralinen hervor. Dabei habe ich auch keinerlei Skrupel, etwas weiter zu schenken, das ich selbst geschenkt bekommen habe. Und habe im Gegensatz dazu auch kein Problem damit, wenn eine meiner Gaben weitergereicht wird. Aus diesem Grund beschrifte ich auch nie die Anhänger an Geschenketüten. Damit sie ohne Peinlichkeiten noch wiederverwendet werden können.

Andere denken anscheinend nicht so weit. Vor einigen Wochen bekam ich von Besuchern einen kleinen Fresskorb mit Schokolade, Olivenöl, Balsamico und Senf. Verpackt war der Korb in Klarsichtfolie und einen niedlichen goldenen Beutel, an dem ein sternförmiger Anhänger hing. „Liebe Grüße von Volker und Ute“ stand dort in schwarzen Buchstaben. Dumm nur, dass unser Besuch weder Volker noch Ute hieß. (Die wirklichen Namen verschweige ich aus familiären Gründen lieber…)