Geschenkte Gäule

Als ich noch ein Kind war, da hatte meine Mutter im Wohnzimmerschrank immer ein paar Notfallgeschenke parat liegen. Flatterte eine spontane Einladung ins Haus, dann kramte sie eine schwarze Kartenspiel-Box hervor. Oder, wenn es sich um ein Kind handelt, etwas Süßes. Zu einem Kindergeburtstag, zu dem ich erst wenige Stunden zuvor eingeladen worden war, ging ich einmal mit zwei hübsch verpackten Tafeln Schokolade.

Ich bin nicht so gut vorbereitet wie meine Mutter. Sollte ich überraschend eingeladen werden, dann schaue ich in meine Weinvorräte oder in meine Süßigkeitenschublade und suche eine Flasche Hochprozentiges oder eine Schachtel Pralinen hervor. Dabei habe ich auch keinerlei Skrupel, etwas weiter zu schenken, das ich selbst geschenkt bekommen habe. Und habe im Gegensatz dazu auch kein Problem damit, wenn eine meiner Gaben weitergereicht wird. Aus diesem Grund beschrifte ich auch nie die Anhänger an Geschenketüten. Damit sie ohne Peinlichkeiten noch wiederverwendet werden können.

Andere denken anscheinend nicht so weit. Vor einigen Wochen bekam ich von Besuchern einen kleinen Fresskorb mit Schokolade, Olivenöl, Balsamico und Senf. Verpackt war der Korb in Klarsichtfolie und einen niedlichen goldenen Beutel, an dem ein sternförmiger Anhänger hing. „Liebe Grüße von Volker und Ute“ stand dort in schwarzen Buchstaben. Dumm nur, dass unser Besuch weder Volker noch Ute hieß. (Die wirklichen Namen verschweige ich aus familiären Gründen lieber…)

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