Sag niemals nie

„Sag niemals nie“ – dieser Spruch ist so abgedroschen, dass ich ihn nur als Titel eines James-Bond-Filmes akzeptieren kann. Und trotzdem trifft er gerade genau auf mein Leben zu. Der Grund dafür ist gestern sechs Wochen alt geworden, 50 Zentimeter groß und gnüddelt neben mir auf dem Sofa rum.

Seit der Geburt meines Sohnes mache ich Dinge, von denen ich nie, nie, nie gedacht hätte, dass ich sie tun würde. Eher hätte ich geglaubt, dass ich in einem goldenen Bikini an einem DSDS-Casting teilnehmen und „I will always love you“ singen würde. Wobei ich gestehen muss, dass es sogar schon in der Schwangerschaft anfing. Da ertappte ich mich eines Tages im Drogeriemarkt, wie ich geschlagene 20 Minuten darüber grübelte, welche Art Schnullerband denn die beste für meinen Lütten ist. Silikon? Stoff? Holz? Wenn Holz: unbehandelt oder bunt lackiert? Silikon ist zwar hässlich, kann aber hygienisch in der Spülmaschine gewaschen werden. Stoff ist hübsch, aber wird im angesabberten Zustand schnell siffig. Und was ist, wenn mein kleiner Liebling die bunte Farbe vom Holzband knabbert? Nicht auszudenken. (Davon abgesehen, dass wir bis jetzt noch gar kein Schnullerband gebraucht haben, habe ich mich für eines aus durchsichtigem Silikon entschieden. Nicht schön, aber praktisch. Mütter werden mich verstehen)

Vor ein paar Wochen dann ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass ich ganz unbedingt Desinfektionstücher für unterwegs brauche. Als mir diese Erkenntnis durch den Kopf schoss, stand ich grade bei dm an der Wickelstation und verpasste dem Sohnemann eine neue Büx. Eine Wickelstation übrigens, die sauber, ordentlich und mit großen Unterlegtüchern ausgestattet war. Und obwohl es erstens eher unwahrscheinlich ist, dass ich meinen Sohn (immerhin mein Erstgeborener!!!) an einem Ort nackig machen würde, der auch nur annähernd so dreckig wäre, dass ich ein Desinfektionstuch brauchen würde, trage ich in meiner an eine Reisetasche erinnernden Wickeltasche nicht nur eine Unterlage, eine Decke sowie mehrere Tücher dabei. Trotzdem, inzwischen habe ich natürlich eine Packung sterile Tücher dabei.

Den Mütter-Klassiker habe ich selbstverständlich auch schon im Programm: Das Kind hochheben und an der Hose schnüffeln um zu sehen, ob eine neue Büx gebraucht wird. Und einen Popel habe ich meinem Sohn auch schon aus der Nase gepult. Das Schlimme dabei: Ich fand es nicht einmal widerlich. Hilfe!!!

Ich bin gespannt, was für abstruse Ideen mir noch kommen. Ideen, die mir inzwischen vollkommen natürlich vorkommen werden. Wie Mütter halt so sind.

Ach, und bevor ich es vergesse: Das hier wird jetzt kein weiterer Mami-Blog werden. Obwohl man ja niemals nie sagen soll…

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Das Weihnachtsschaf

Das Weihnachtsschaf

Leider fehlt in meiner Krippe noch das Schaf. Dabei wäre auf dem Dach so viel Platz...

Leider fehlt in meiner Krippe noch das Schaf. Dabei wäre auf dem Dach so viel Platz…

Was wäre die Vorweihnachtszeit ohne Traditionen? Die Wohnung wird immer am ersten Advent geschmückt, der Baum am 23. Dezember aufgestellt, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ so oft es geht geschaut und natürlich die Schafe auf der Krippe platziert. Die Schafe auf der Krippe platziert?!?

Ganz genau. Jedenfalls bei meiner Schwester und mir. Wann genau es angefangen hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Irgendwann jedenfalls, als meine Schwester und ich noch Kinder waren, begannen wir an, die Figuren der Krippe unserer Mutter umzugruppieren. Eines der Schafe landete so auf dem Dach der Krippe. Für meine Schwester und mich ein völlig logischer Vorgang. Erstens führte eine Leiter aufs Dach, das Schaf musste also nicht fliegen. Und außerdem handelte es sich um ein heiliges Tier, das selbstverständlich in der Lage ist, auf Leitern zu steigen. (Darüber hinaus habe ich inzwischen auch am eigenen Leib erfahren, wie agil Schafe sind. Die können nämlich durchaus aus dem Stand über einen ein Meter hohen Zaun springen, nur um in meinem Garten an den Hortensien zu knabbern.)

Leider fand unsere Mutter unsere Logik nicht ganz so bestechend und räumte die Figuren wieder an ihren ursprünglichen Platz. Im Laufe der Zeit entwickelte sich so in der Vorweihnachtszeit ein regelrechtes Wettrennen: Wir stellten das Schaf aufs Dach, meine Mutter stellte es zurück. Am meisten Freude hatten meine Schwester und ich natürlich immer dann, wenn meine Mutter ein paar Tage lang nicht bemerkte, dass das Schaf umgezogen war.

Inzwischen lebe ich schon viele Jahre nicht mehr bei meiner Mutter. Aber immer, wenn ich sie in der Adventszeit besuche, stelle ich das Schaf um. Da nützt es auch nichts, dass meine Mutter ihre Krippe inzwischen an eher unzugänglichen Stellen aufstellt.

Seit einigen Jahren besitze ich auch eine eigene Krippe, die ich jedes Jahr um eine weitere Figur ergänze. Ein Schaf aber habe ich leider noch nicht. Dabei wäre auf dem Dach noch so viel Platz…

Weit draußen

Es hat schon seine Vorteile, außerhalb zu wohnen. Von meinem Wohnzimmer aus kann ich im Frühling die süßen kleinen Lämmer des benachbarten Bauern sehen, im Herbst schimmert ein großer See durch die Bäume und im Winter streunen öfter mal Rehe durch den Garten. Es gibt aber eine Situation, in der es wirklich unpraktisch ist, vor den Toren der Stadt (in meinem Fall des Dorfes) zu wohnen. Nämlich immer dann, wenn ich auf ein Paket warte.

Unsere Adresse ist nämlich aus zwei Gründen speziell. Nicht nur, dass wie außerhalb wohnen. Wir haben auch keine Hausnummer. Wie noch einige andere Häuser, die dieselbe Adresse haben. Regelmäßig bekomme ich nach Onlinekäufen Anrufe, ob ich auf dem Bestellformular nicht vielleicht die Hausnummer vergessen habe. Nein, habe ich nicht.

Das größere Problem aber sind die Paketdienste, deren Fahrer sich meist nicht so gut in der Gegend auskennen und auch nicht die Zeit haben, lange nach uns zu suchen. Meistens bekomme ich nach einiger Zeit einen Brief, dass man mich nicht finden konnte und ich meine Lieferung bitte im nächsten Shop abholen soll. (Die Ironie dabei, dass die Lieferdienste es der Post zutrauen, mich zu finden, gefällt mir allerdings sehr.)

Manchmal aber ruft die Lieferzentrale mich an und nach ausführlicher Wegbeschreibung kommt meine Bestellung dann doch bei mir an. So wie vergangene Woche. Wie kompliziert die Auslieferung aber gewesen sein muss, zeigten diverse Notizen auf meinem Paket. Im ersten Anlauf hatte der Paketbote uns mal wieder nicht gefunden und seiner Verwirrung auf dem Paket Raum gegeben. „Und wo soll das sein?“ hatte er neben unsere Adresse geschrieben. Gleich daneben die Reaktion aus der Zentrale: „Das stimmt schon, es gibt keine Hausnummer.“ Ich kann nicht beurteilen, ob der Mann danach noch einen vergeblichen Zustellversuch startete. Auf jeden Fall stand auf einem dritten Zettel meine Wegbeschreibung. Die offensichtlich hilfreich war. Und bei dem Paketboten für Erleichterung sorgte, denn bei der Auslieferung begrüßte er mich mit den Worten: „Na, da hat es ja doch noch geklappt.“

Nicht geklappt hat es leider bei einem anderen Paketdienst. Obwohl die sich auch wirklich Mühe gaben und auf mein Paket einen Ausdruck von Google Maps geklebt hatten. Und auf diesem Ausdruck war unsere Adresse sogar richtig markiert.

Einen Vorteil hat die ganze Sache mit der fehlenden Hausnummer aber doch. Denn regelmäßig kann ich mir meine Hausnummer aussuchen. Das liegt daran, dass viele Computerprogramme streiken, wenn man keine Hausnummer angibt. Und so haben wir bei der Zulassungsstelle die Hausnummer 0, bei diversen Onlinehändlern die Nummer 1 und bei der Telekom die Hausnummer 99.

Früher war alles besser…

Ich bin noch nicht alt, vor ein paar Monaten bin ich grade erst 33 Jahre alt geworden. Trotzdem ertappe ich mich in letzter Zeit immer wieder bei dem Gedanken: „Früher war alles besser.“ Naja, vielleicht nicht wirklich besser. Aber entspannter, einfacher, genügsamer.

Das erste Mal kam mir der Gedanke, als mir vor ein paar Wochen die Kiste mit den alten Legosteinen in die Hände fiel. In meiner Erinnerung hatten meine Schwester und ich unheimlich viel Lego, waren die beiden Curver-Kisten ausgekippt, so war vom Fußboden im Kinderzimmer nicht mehr viel zu sehen. Jetzt aber schaute ich mir diese übersichtliche Menge an Platten und bunten Steinen an und war erstaunt, wie wenig Legosteine wir doch in Wirklichkeit hatten. Jedenfalls nach heutigen Maßstäben.

Ein paar Tage später sortierte ich ein paar alte Kochbücher aus. Dabei waren auch ein Haufen rund 30 Jahre alte Rezeptkarten. Einerseits waren die wirklich ziemlich lustig – ich denke, belegte Brote bekomme ich so grade eben auch ohne Rezept hin. Andererseits aber haben mir diese Karten auch wertvolle Ideen gegeben. Besonders, weil viele der Rezepte aus nur wenigen Zutaten bestehen. Im Gegensatz zu vielen Vorschlägen in aktuellen Kochbüchern werden für eine leckere Mahlzeit nur wenige Zutaten gebraucht. Perfekt, wenn man nur noch ein paar Reste hat, die man aufbrauchen will.

Und schließlich stand ich Anfang der Woche ziemlich überfordert in der Drogerie vor dem Regal mit Babyartikeln. (Ja, das hat seinen guten Grund, der in wenigen Wochen bei uns einziehen wird.) Nicht nur, dass es so unheimlich viele verschiedene Cremes, Seifen, Duschgele, Puder und Waschlotionen gibt. Nein, es gibt den ganzen Kram auch noch von diversen verschiedenen Marken. Neben mir stand eine ebenso überforderte Großmutter. „Zu meiner Zeit damals gab es grade mal Bübchen und Penaten“, sagte sie zu mir. Und mir schoss durch den Kopf, wie schön, wenn das auch heute noch so wäre.

Ich bin nicht der Meinung, dass unsere Eltern und Großeltern es einfach hatten. Jeder Zeit hat ihre eigenen Probleme. Aber manchmal wünsche ich mir, dass unsere heutige Zeit nicht so anspruchsvoll wäre und wir uns auch mit simpleren Dingen zufrieden geben würden. Simpel muss eben nicht automatisch eingeschränkt oder unglücklich bedeuten. Im Gegenteil: Auch mit wenig Legosteinen hatten meine Schwester und ich eine glückliche Kindheit.

Also versuche ich, ein wenig dieser einfacheren Lebensweise in meinen Alltag zu integrieren. Den Anfang machten dabei einige Rezepte der Kochkarten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von alleine nicht unbedingt drauf gekommen wäre, dass man mit Möhren, Curry und Nudeln ein so leckeres Mittagessen kochen kann.

Zum Thema „Überforderung im Supermarkt“ schrieb ich übrigens schon einmal den Text „Keine Wahl„.

Ein Leben lang

In den vergangenen Wochen war ich auf einigen Freisprechungsfeiern. Für die, die es nicht wissen: Nein, da wird nicht gefeiert, dass jemand dem Kittchen entronnen ist. Vielmehr werden die neuen Handwerksazubis zu Gesellen ernannt.

Typischer Bestandteil solcher Veranstaltungen sind Reden, meist vom Obermeister der Handwerkszunft, oft von Berufsschullehrern, gerne auch von Politikern. Aber egal, wer spricht – zwei Themen kamen bis jetzt bei fast jeder Freisprechung vor: In Zeiten des Fachkräftemangels handele es sich bei den Junggesellen um begehrte Arbeitskräfte. Und auch mit Beendigung der Ausbildung höre das Lernen nicht auf.

Anfangs gingen mir diese immer gleichen Floskeln ziemlich auf die Nerven. Dann aber dachte ich über den Aspekt des lebenslangen Lernens mal ein wenig intensiver nach. Denn so abgedroschen es klingt, es stimmt.

Gewusst habe ich diese Tatsache ja schon länger. Und so habe auch ich in den vergangenen Jahren die ein oder andere Fortbildung besucht. Es gibt viele Bereiche, über die ich unbedingt noch etwas lernen möchte. Doch meistens siegte der innere Schweinehund und so habe ich mich diesen Aspekten dann doch nicht mit der Aufmerksamkeit gewidmet, die ich mir vorgenommen hatte.

Das soll nun anders werden. Denn ich habe eine Methode gefunden, mit der ich (hoffentlich) ein Leben lang etwas dazulerne. Im besten Fall täglich. Und ohne viel Aufwand. Ich versuche einfach, jeden Tag etwas Neues zu erfahren. Oftmals ist das eine Kleinigkeit. Aber es geht bei der Sache nicht darum, jeden Tag etwas wahnsinnig außergewöhnliches kennenzulernen. Sondern einfach etwas, das ich noch nicht wusste. Und vor allem: Mir auch bewusst zu machen, dass ich gerade etwas gelernt habe. Dazu muss ich nicht einmal richtig aktiv werden, meistens reicht es Zeitung zu lesen, Nachrichten zu schauen oder „Wer wird Millionär“ einzuschalten. Denn natürlich erfahren wir jeden Tag Neuigkeiten. Meistens fällt es uns nur nicht auf.

Seit einigen Wochen versuche ich nun, diese Methode anzuwenden. Natürlich gelingt es mir nicht immer. An einigen Tagen fällt mir abends partout nichts ein, was ich gelernt habe. Das ist aber auch nicht schlimm. Dafür weiß ich jetzt, dass es nicht nur das Galicien in Spanien, sondern auch ein Galizien in der Ukraine gibt. Oder dass Marianne Rosenberg eine Sinti ist. Nicht unbedingt weltbewegende Dinge. Für mich aber neu.

Der Rassist in mir

Vergangenen Sonnabend traf ich auf dem Parkplatz des Supermarktes auf das personifizierte Klischee. Direkt neben uns parkte ein silberner Mercedes-Geländewagen. Der Fahrer trug Jeans, Hemd und über die Schultern gelegt einen rosa Pulli. Und zu guter Letzt war auf der Seite des Geländeagens noch die Werbung für ein Gestüt angebracht. Das ganze Wochenende über musste ich beim Gedanken an diesen Mann schmunzeln, freute mich darüber, dass meine Vorurteile so grandios bestätigt wurden und grübelte, ob der Mann wohl eher BWL oder Jura studiert hatte.
Plötzlich aber musste ich an eine Doku denken, die ich vor einigen Wochen auf ZDFneo gesehen hatte. In „Der Rassist in uns“ ging es darum, wie schnell Menschen sich von Vorurteilen verleiten lassen. In dem Experiment wurde den Teilnehmern mit braunen Augen eingeredet, sie seien sehr viel mehr wert als die Blauäugigen, die dumm und renitent seien. Kommentiert wurde das Verhalten der Teilnehmer aus dem Nebenraum von der Sozialpsychologin Prof. Dr. Juliane Degner und dem Sozialpädagogen Prof. Dr. Mark Schrödter.
Nun ist Schrödter selbst dunkelhäutig und mein erster Gedanke, als er vorgestellt wurde, war: „Lustig, der Name passt gar nicht zu ihm.“ Es dauerte eine Weile, bis mir der Alltagsrassismus in diesem Gedanken klar wurde. Warum soll ein Dunkelhäutiger nicht Mark oder Schrödter heißen? Welcher Name hätte denn meiner Meinung nach besser zu ihm gepasst? Jeder, Hauptsache nicht so typisch deutsch?
Jeder von uns hat von sich selbst das Bild eines unheimlich toleranten Menschen, der bei beobachteten Ungerechtigkeiten oder Diskriminierungen natürlich sofort eingreifen würde. Der selbstverständlich in seinem Freundes- und Bekanntenkreis Homosexuelle, Menschen mit Migrationshintergrund und Leute mit psychischem oder physischem Handikap hat. Und der so verdammt politisch korrekt ist, dass er nie „Schwarzer“, „Ausländer“ oder „Behinderter“ sagen würde, um auf keinen Fall jemanden zu verletzen.
Nur leider stimmt dieses Wunschbild nicht. Denn auch wenn wir keinen Blödsinn wie „Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg“ von uns geben, so stecken doch in jedem von uns tief verwurzelte Vorurteile. Nicht unbedingt gegen Ausländer. Aber vielleicht gegen Mercedesfahrer mit einer Vorliebe für rosa Pullis. Aber sich dessen klar zu werden ist vielleicht schon ein erster Schritt hin zu einem wirklich toleranten Menschen.

Dinge, von denen…

Immer öfter passiert es mir, dass ich beim surfen durchs Internet einen Ohrwurm habe. Nein, die Rede ist nicht von „Computerliebe“. Sondern von dem Ärzte-Song, der als Überschrift über diesem Blogpost steht: „Dinge, von denen.“
Was sich im ersten Moment – zumindest für einen Ärzte-Fan wie mich – sehr nett anhört, entpuppt sich als ziemliche Nerverei. Nicht wegen des Liedes, sondern wegen der Gründe für den Ohrwurm. Grundsätzlich kriecht der nämlich in meine Gehörgänge, wenn mal wieder Menschen Dinge im Internet posten, die sie besser für sich behalten hätten. „Dinge, von denen ich gar nichts wissen will“ eben.
Kürzlich fragte etwa eine Frau in einer veganen Facebookgruppe, ob außer ihr noch jemand nach der Ernährungsumstellung Probleme mit Blähungen gehabt habe. Ist das wirklich ein Thema, dass man mit der ganzen Welt teilen muss? Vielleicht bin ich verklemmt, aber über das Thema spreche ich höchstens mit meiner besten Freundin. Wenn überhaupt.
Ganze Blogeinträge widmen sich inzwischen den „Erdbeerwochen“ der Frauen und welche Art der Monatshygiene denn am angenehmsten ist. Wenn wir von der weiblichen Periode verschämt als Erdbeerwoche reden müssen, dann lassen wir es doch besser ganz, oder?
Bitte versteht mich nicht falsch, auch ich habe auf Twitter, Facebook oder hier im Blog gewiss schon private und persönliche Dinge gepostet. Wir leben einfach in einer Welt, in der das Internet einen immer größeren Teil des Privatlebens ausmacht. Aber es sollte gewisse Grenzen geben. Viele Intimitäten sollte man besser für sich behalten oder wenn, sie den Adressaten im so genannten „Real life“ persönlich erzählen. Und mit intim meine ich jetzt nicht nur Dinge, die Sex oder sonstige Körperfunktionen betreffen.
Andererseits, warum rege ich mich überhaupt noch auf? Immerhin hat selbst die Werbung keine Skrupel mehr, uns das Durchfallgesicht von Menschen zu zeigen. Auch so ein Ding, von dem ich nie etwas wissen wollte.

Der Erdbeer-Gourmet oder Mein Held des Tages

Ich liebe Erdbeeren. Und da ich es schon beinahe für Blasphemie halte, im Herbst und Winter importierte Gewächshausbeeren vom anderen Ende der Welt zu essen, kann ich jedes Jahr den Beginn der Erdbeersaison kaum abwarten. So auch in diesem Jahr, in dem ich bereits normale und Erdbeer-Holunder-Marmelade gekocht habe, Erdbeereis und Erdbeeressig gemacht habe, Beeren eingefroren und zu Grütze verkocht habe. Ach ja, Erdbeerkuchen gab es natürlich auch.
Für all das braucht man natürlich Erdbeeren. Ziemlich viele Erdbeeren. Wer meine „50 Facts about me“ aufmerksam gelesen hat, der weiß, dass ich vor Jahren einmal auf etwas unrühmliche Art und Weise versucht habe, an die leckeren Früchtchen zu kommen. Inzwischen aber bin ich älter und weiser (und vermutlich auch eine größere Bangbüx) und kaufe meine Erdbeeren ganz regulär.
Oder aber ich pflücke sie selber, was einerseits viel billiger ist und andererseits viel mehr Spaß macht. Besonders, weil man natürlich zwischendurch immer wieder die Qualität der Früchte testen muss. Es soll Menschen geben, bei denen mehr Erdbeeren im Mund als im Körbchen landen. Ganz so schlimm ist es bei mir nicht, aber zwischen Pflückeinsatz und Abendessen sollten doch besser ein paar Stunden liegen.
Nun habe ich mich schon für einen Erdbeerjunkie gehalten. Der Mann, den ich aber kürzlich auf unserem Erdbeerfeld sah, der schlägt mich um Längen. Zuerst wunderte ich mich, was für eine seltsame Dose er mit auf den Acker nahm. Eigentlich reichen ja Korb oder Schüssel. Dann aber stellte ich fest, dass es sich um eine Dose Sprühsahne handelte. Ich habe nicht mitbekommen, ob der Mann überhaupt auch gesammelt oder ob er nur gefuttert hat. Auf jeden Fall aber war er mein Held des Tages.

Dreifarbiger Wahnsinn

Ach, wie schön war es doch damals, im Jahr 2006. Damals, als die Fußball-WM Deutschland ein Sommermärchen bescherte und ich als eine der wenigen mit einer Deutschland-Fahne am Auto rumfuhr. Kaum zu glauben, aber damals waren solche WM-Devotionalien kaum zu bekommen. Anders als heute.

Inzwischen kann man kaum noch in ein Geschäft gehen, ohne von schwarz-rot-goldenen Dingen erschlagen zu werden. Waren es früher noch klassische Fan-Artikel wie Fahnen, T-Shirts oder Schminkstifte, sind es inzwischen ziemlich abstruse Dinge. Ich habe mir in den letzten Wochen mal den Spaß gemacht, ein paar Dinge aufzuschreiben.

Die Kitsch-Freundin, die früher in mir steckte, hätte sich beim Dänischen Bettenlager wohl wie im Paradies gefühlt. Denn dort gab es nicht nur eine Musik spielende Fahne, sondern auch einen Klappstuhl, der mit den Daten der deutschen WM-Titel bedruckt ist. Für den vergesslichen Fan. Wobei der vergessliche und zugleich optimistische Fan dann doch lieber zu den mit der deutschen Flagge sowie den Jahreszahlen 1954, 1974, 1990 und 2014 bedruckten Stuhlauflagen greifen sollte.

Für den (zugegeben seeeehr unwahrscheinlichen) Fall, dass die deutsche Mannschaft doch verlieren sollte, bietet es sich an, sich den offiziellen DFB-Fußball aus dem Penny-Sortiment zuzulegen. Bedruckt ist dieser Ball mit den Köpfen von Hummels, Götze und Özil und nach einer Niederlage der deutschen Elf kann der Fan ein paar mal gepflegt gegen den Ball treten und so seinen Frust auf die Mannschaft abzubauen. Oder, wer nicht ganz so brutal werden möchte, kauft sich in der Nationalmannschaftsedition von Monopoly eben ein paar eigene WM-Höhepunkte.

Überhaupt Penny, dort gab es in den vergangenen Wochen auch patriotisch gefärbte Nudeln und sogar Zahnbürsten mit roten, schwarzen und gelben Borsten. Die lassen sich nach dem Genuss der ebenfalls dort erhältlichen Fußball-Pringles nutzen. Passend zu den Ländern, in denen die deutsche Mannschaft schon Weltmeister-Titel holte, schmeckt die Sorte 1954 nach Käse und 1990 nach italienischer Focciaca. (Welches Aroma die Sorte 1974 hat weiß ich nicht. Sauerkraut vielleicht?).

Eigentlich hatte ich vor, meinen Text mit ein paar ironischen Vorschlägen für weitere Produkte zu beenden. Doch jeden Tag habe ich absurdere Fußball-Fan-Dinge entdeckt, für die selbst meine Phantasie nicht ausreicht. Neustes Beispiel: Eine schwarz-rot-gelbe Küche!!!

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P.S.: An dieser Stelle muss ich ein Geständnis machen. Denn so verrückt ich all diesen Fußballkram auch finde, ganz widerstehen konnte ich ihm trotzdem nicht. Und so kaufte ich vor ein paar Tagen eine Haribo-Tüte mit dreifarbigem Fruchtgummi. Asche auf mein Haupt. Immerhin waren sie lecker.

Tsundoku: „Internet – Segen oder Fluch“

Ein wenig seltsam fühlte es sich ja schon an, das Buch mit dem Titel „Internet“ von Kathrin Passig und Sascha Lobo nicht am Bildschirm, sondern als klassisches Buch vor mir liegen zu hben. Länger hatte ich mich gesträubt, dieses Buch zu lesen. Denn irgendwie ist mir der rote Irokese Lobo nicht so richtig sympathisch – und dass, obwohl ich zugeben muss, mich vor über fünf Jahren seinetwegen bei Twitter angemeldet zu haben. Außerdem befürchtete ich, dass es sich um ein Fachbuch mit lauter Nerd-Chinesisch handelt.

Aber es hat sich gelohnt, meine innere Abwehr zu überwinden. Denn das Buch ist gut strukturiert, die einzelnen Kapitel sind leicht verständlich und bauen aufeinander auf. Den Anfang macht ein Kapitel, in dem es gar nicht wirklich ums Internet geht. Sondern ganz generell darum, weshalb es so schwer ist, sich auf andere Meinungen einzulassen. Und weshalb die „Gegner“ überhaupt anders denken könnten: „Mangelhafte Kenntnis der Tatsachen sei der einzig denkbare Grund dafür, dass jemand eine andere Meinung vertreten könnte als die eigene.“ Doch auch für den Leser haben Passig und Lobo einen guten Tipp parat: „Kalkulieren Sie den Drang ihres Gehirns ein, Ihren andere Weltanschauungen in einem unvorteilhaften Licht darzustellen.“

In den weiteren Kapiteln geht es Probleme mit der Informationsüberflutung, die Konflikte zwischen der Freiheit im Internet und notwendiger Regulierung oder Urheberrechtsfragen. Die Autoren geben keine abschließende Antwort auf die Frage, ob das Internet denn nun Fluch oder Segen ist. Aber sie geben in vielen Kapiteln Tipps zum Umgang mit und zum eigenen Verhalten im Internet. Einen dieser Tipps habe ich heute gleich umgesetzt. Wie Passig/Lobo als Ausweg aus der so genannten „Filterblase“ vorgeschlagen haben, habe ich kurz hinterfragt, weshalb ich einen Artikel erst wegklicken und nicht lesen wollte. Und kam dahinter, dass er einfach nicht konform zu meinen sonstigen Ansichten lief. Anschließend habe ich ihn dann viel bewusster gelesen. Alleine für diesen Ratschlag hat sich die Lektüre des Buches gelohnt.

Was ich sonst so gelesen habe, findet ihr in der Rubrik Tsundoku.