Eine Woche voller Wasser – Fazit des Projektes Wasserwoche

Fast traue ich mich nicht, dieses Fazit zum Projekt Wasserwoche zu schreiben. Ein wenig fürchte ich, dass die anderen Teilnehmer mich hassen werden. Denn ich hatte nicht wirklich ein Problem damit, eine Woche lang nur Wasser zu trinken und auf Tee, Cola oder Saft zu verzichten.

Trotzdem habe ich die Challenge wohl nicht ganz bestanden, denn von den insgesamt 24 bei Clara (Tastesheriff) gewonnenen Gerolsteiner-Flaschen habe ich nur 21 ausgetrunken. Rechnerisch waren das also statt der vorgegebenen 2,5 Liter am Tag nur 2,25 Liter. Allerdings steht sogar auf den Flaschen selbst, man solle mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinken, also verbuche ich die Woche als Erfolg.

Dabei begann gleich der erste Morgen mit einem riesigen Durst auf ein Glas Apfelsaft. Da spielte mir mein Hirn wohl einen formidablen Streich, denn sonst trinke ich äußerst selten Apfelsaft. Nachmittags beim Einkaufen ertappte ich mich dann dabei, dass ich überlegte, was wir leckeres trinken könnten. Bis mir dann schlagartig einfiel, dass ich mir diese Gedanken die nächsten Tage nicht machen muss.

Hilfreich bei der Wasserwoche war natürlich auch das warme Wetter vergangene Woche. Da schmeckte Wasser doch viel besser als etwa eine süße Cola. Dank an dieser Stelle übrigens auch an meinen Mann, der meinen Versuch nicht durch irgendwelche fiesen Getränkeangebote sabotierte.

Allerdings muss ich auch ein Geständnis machen: Während ich die Tupperparty problemlos an meiner Wasserflasche nuckelnd (man merkt gar nicht, dass ich mehrmals täglich stille, oder?) überstand, habe ich vermutlich beim Geburtstag des Schwagers einen Schluck aus dem Spezi-Glas des Gatten genommen. Ich bin mir nicht sicher, ich kann mich nicht erinnern und Zeugen gibt es nicht. (Die anderen Gäste müssen gedacht haben, ich sei auf Extrem-Diät: nur Wasser getrunken und als Veganerin nur die Gemüsebeilagen ohne Sauce gefuttert und auch noch auf die Torte verzichtet.)

So wenig entbehrungsreich die Wasserwoche für mich war, so sehr habe ich mich gestern auf meine erste Flasche Cola gefreut. Denn für immer werde ich nicht zur Wassertrinkerin. Ganz zur Freude des Gatten, der da schon seine Befürchtungen hatte: „Als du Vegetarierin wurdest war es nur ein Experiment. Und als du ganz auf tierische Sachen verzichtet hast war es auch erst nur ein Versuch…“

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Der Mann in rosa

Im vergangenen Jahr schrieb ich in „Der Rassist in mir“ darüber, dass ich mich künftig nicht mehr so sehr von Vorurteilen leiten lassen will. Leider muss ich an dieser Stelle erklären, dass meine Bemühungen gescheitert sind. Jedenfalls wenn sie Männer mit rosa Oberteilen betreffen.

Denn heute Vormittag hatte ich an der Tankstelle eine unliebsame Begegnung mit einem solchen Exemplar. Der Herr – graue Haare, rosa Pulli, schwarzer Smart – stand vor mir an der Kasse und wollte mit EC-Karte zahlen. Leider hatte er auf der Karte nicht unterschrieben, so dass die Kassiererin ihn nach einem anderen Dokument bat, auf dem sie seine Unterschrift überprüfen konnte. Das allerdings nahm der gute Mann sehr persönlich. Was sie denn glaube, wen sie vor sich habe? Demonstrativ bot er ihr erst die Treuekarte eines Bäckers und dann eines Erdbeerstandes an. Auch ihren Einwand, dass sie dazu verpflichtet sei, wollte der rosa Rächer nicht gelten lassen. Erstens müsse er so nicht mit sich reden lassen, das sei ja eine Unverschämtheit. Und außerdem habe er genug Zeit, um die Sache auszusitzen.

Unverschämt war allerdings nur sein Verhalten. Und zunehmend wurde es auch albern. In seiner Wut nannte er sprach er den Namen der Kassiererin Frau Haas (so nenne ich sie einfach mal) falsch aus und nannte sie „Frau Hase“. Ihre Korrektur wischte er weg und nannte sie ab da demonstrativ „Frau Hase“.

An dieser Stelle konnte ich nicht mehr und mischte mich ein. Er sollte die ganze Sache doch einfach positiv sehen und sich vorstellen, was wäre, wenn seine EC-Karte gestohlen worden wäre. Da würde er doch auch wollen, dass jemand die Rechtmäßigkeit des Nutzers überprüfe. Oh, da hatte ich ihn aber auf dem falschen Fuß erwischt. Die Kassiererin solle sich doch ihre Kunden einfach ansehen, dann würde sie schön erkennen, dass er keiner dieser Öztürks sei, die EC-Karten klauten. Aber es sei ja kein Wunder, dass wir Frauen zusammenhielten.

Irgendwann wurde es der Kassiererin zu dumm, sie schrieb sich das Autokennzeichen des Herren in rosa auf und ließ ihn in sein Auto steigen. Hatte ich schon erwähnt, dass Mister Wichtig in einem putzigen kleinen Smart abfuhr?

Technische Überforderung

Es gibt Momente in meinem Dasein als Mutter, da fühle ich mich ziemlich überfordert. Das liegt nicht einmal an meinem Kind. Denn ich habe das große Glück, einen ziemlich ruhigen und entspannten Sohn zu haben. Natürlich hat auch er mal seine anstrengenden Momente, aber im Großen und Ganzen ist der kleine Mann selbsterklärend: Wenn er schreit, dann hat er entweder Hunger, braucht eine neue Büx, ist müde oder will generell von Mama und Papa bepütschert werden. So weit, so einfach. (Meistens jedenfalls.)

An meine Grenzen stoße ich allerdings oft dann, wenn es um die ganze Baby-Logistik geht. Von meinen Entscheidungsschwierigkeiten vor dem Windel- und Wundcremeregal schrieb ich ja bereits hier. Aber auch der Kauf eines simplen Hochstuhls wäre beinahe schief gegangen.

Wie fast jede gutbürgerliche deutsche Mutter entschied ich mich für den Klassiker: den Tripp Trapp von Stokke. Mit dem Newborn-Aufsatz ist der in unserer kleinen Küche nämlich ziemlich praktisch. Großer Nachteil allerdings ist, dass der Stuhl nicht gerade billig ist. Aber wozu gibt es denn Ebay? Da hatte ich die Rechnung allerdings ohne Stokke gemacht, denn der Newborn-Aufsatz passt nicht auf jeden dahergelaufenen Tripp Trapp. Nein, es muss ein Modell sein, dass jünger als sieben Jahre ist (nagelt mich jetzt aber nicht auf eine Zahl fest). Das erfuhr ich allerdings erst, als ich schon fast im Auto saß, um einen über Ebay-Kleinanzeigen entdeckten Stuhl zu begutachten. Ähnliches passierte noch ein weiteres Mal, denn die Verkäuferin und ich waren beide nur so grade eben in der Lage herauszufinden, dass das angebotene Modell zu alt ist. Irgendwann habe ich aufgegeben und einen neuen Tripp Trapp gekauft.

Neu kaufen stand beim Kinderwagen nicht zur Debatte. Einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits weil wir einen tollen Wagen von Teutonia von meiner Schwester geliehen bekommen haben. Die wohnt allerdings rund 600 Kilometer entfernt, und so brachte meine Tante den zusammengeklappten Kinderwagen nach einem Urlaub mit zu uns. Fast wäre der Wagen auch für alle Ewigkeit in diesem Zustand geblieben. Denn meine Tante und ich brachen uns beinahe die Finger bei dem Versuch, den Kinderwagen zu entfalten. Durch Zufall gelang es dann zwar irgendwann, aber es dauerte noch einige Tage, bis ich das auch alleine und absichtlich wiederholen konnte.

Bis ich ein zweites Kind bekomme, wird es vermutlich noch einige Jahre dauern. Vorher absolviere ich erst noch ein Ingenieurstudium. Sicher ist sicher. Immerhin werde ich in ein paar Jahren unfallfrei einen Schulranzen öffnen müssen.

Vom Ball gekullert

Es gibt Dinge, die ich wirklich gut kann. So habe ich beispielsweise einen richtig guten Orientierungssinn und habe fast immer eine Ahnung, wo ich in etwa bin. Auch habe ich ein Talent dafür, mir seltsame Sachen zu merken. Wie den Hochzeitstag von Freunden meiner besten Freundin. Naja, und dann gibt es da noch Dinge, die ich wohl besser lasse. In Anwesenheit anderer Menschen laut zu singen sollte ich zum Beispiel tunlichst vermeiden. Und Sport treiben. Genauer: alles, was Koordination und/oder Rhythmusgefühl verlangt.

Seit einigen Wochen gehe ich regelmäßig zur Rückbildungsgymnastik. In meiner grenzenlosen Naivität glaubte ich ja, dass es sich dabei um ein nettes Mamikränzchen handelt, bei dem man über den Nachwuchs klönt und ab und zu mal eine kleine Übung macht. Pustekuchen! Das sind richtig anstrengende Sporteinheiten. Für die ich leider oft viel zu dusselig bin. Die Aufwärmübung bekomme ich gerade noch einwandfrei hin. Allerdings müssen wir da auch nur auf der Stelle laufen. Doch schon die nächste Ansage überfordert mich. Dabei hört es sich doch so leicht an: Ein Bein wird nach hinten gestreckt, während gleichzeitig der gegenüber liegende Arm nach vorne gestreckt wird. Ich habe es allerdings beinahe geschafft, Arme und Beine gepflegt miteinander zu verknoten. Auch andere, angeblich total einfache Übungen treiben mich zur Verzweiflung. So habe ich es bereits geschafft, von einem kleinen Ball in Handball-Größe zu kullern und bei den Liegestütze, bei denen die Beine auf einem großen Gymnastikball liegen (sollen) habe ich meine Gliedmaßen nicht einmal ordentlich in die Ausgangsstellung bekommen.

Meine Kursleiterin schaut mich inzwischen nur noch mitleidig-fassungslos an und kann gar nicht glauben, dass es Menschen wie mich gibt. Ich hingegen finde es ganz leicht, so zu sein. Vielleicht ist es ja auch eine Gabe? Denn einen Vorteil hat mein unkoordiniertes Herumgezappel allemal: Mein Sohn freut sich wie ein Keks, wenn er mich dabei beobachtet. Das Fremdschämen kommt dann wohl später.

Nur ein kleiner Rat

Wenn ich mit meinem drei Monate altem Sohn im Kinderwagen unterwegs bin und auf ältere Damen treffe, dann passieren mit schöner Regelmäßigkeit zwei Dinge. Erst werfen besagte Damen einen Blick in den Wagen und bescheinigen mir, was für ein niedliches Kind mein Sohn doch sei. Anschließend bekomme ich gute Ratschläge. Ungefragt, selbstverständlich.

So wie heute, als eine fremde Frau meinem bis an die Nasenspitze eingepackten Kind die Händchen tätschelte, feststellte, dass diese ja ziemlich kalt seinen und besorgt fragte, ob ich denn auch Handschuhe dabei habe. Auf meine Aussage, dass kalte Hände bei einem Baby nicht so sehr viel zu bedeuten haben, erntete ich nur einen ungläubigen Blick. Oder jene mir unbekannte Begleiterin, mit der ich jüngst ein paar Meter durch den Wald stapfte. Die üblichen Small-Talk-Themen mit Kindern ließ sie aus (Geschlecht, wie alt, schläft es schon durch?), um gleich zum Wesentlichen zu kommen: „Und, wollen Sie noch mehr Kinder?“ Das ist ehrlich gesagt nicht unbedingt ein Thema, dass ich mit wildfremden Leuten diskutieren möchte. Als ich mit einem Blick in den Kinderwagen kontrollierte, ob mein Sohn seinen Schnuller noch im Mund hatte, bekam ich folgenden Tipp von ihr: „Passen Sie bloß auf, sonst gewöhnt er sich daran und will später gar nicht mehr ohne Schnuller einschlafen!“ Und auch den Klassiker „Das Kind nicht andauernd auf den Arm nehmen, sonst verwöhnt man es zu sehr“ habe ich auch schon einige Male zu hören bekommen.

Ich frage mich, warum es in einer gewissen Altersklasse zum guten Ton zu gehören scheint, ungefragt Ratschläge zu geben. Denn fast immer sind es Frauen im Alter meiner Mutter oder älter, die mich mit ihrer Lebenserfahrung beglücken. Gleichaltrige Frauen halten sich zurück. Ist es vielleicht eine Art missverstandener Generationenvertrag? So unter dem Motto: „Wir hatten früher eine Großfamilie, die uns in allen Lebenslagen beraten hat und die jungen Dinger von heute sind ja ganz allein.“ Oder brauchen diese Frauen das Gefühl, noch gebraucht zu werden?

Das Problem an der Sache – oder besser: die Probleme – : Ich weiß sehr wohl, wen ich um Hilfe bitten kann, sollte ich mal nicht weiter wissen. Und außerdem habe ich mitten auf der Straße von wildfremden Frauen noch nicht einen einzigen Tipp bekommen, der mir wirklich geholfen hätte. Deshalb hier mein Rat an alle beratungswilligen Frauen da draußen: „Lasst mich mit euren Ratschlägen in Ruhe!“

Die Macht der Maschinen

Ich habe mich ja inzwischen schon daran gewöhnt, dass mein Auto mir Vorschriften machen will. Fahre ich drei Meter ohne mich angeschnallt zu haben (nur um das klar zu stellen: auf dem Parkplatz natürlich), dann pingt es und ein Symbol leuchtet in grimmigem Rot auf. Und halte ich mich frecher Weise einmal nicht an die vom Navi favorisierte Route, dann fordert mich die Stimme des kleinen Kastens in freundlich-penetrantem Ton dazu auf, die nächste Straße links abzubiegen oder bitte zu wenden. Jetzt aber macht mein Auto mir nicht nur Vorschläge – es entscheidet gleich ganz für mich.

Vorige Woche war ich bei Nebel unterwegs. Es war so eine richtig dicke, weiße Suppe, man konnte kaum 50 Meter weit sehen. Als mich der erste entgegenkommende Wagen anblinkte überlegte ich noch, wer mich da wohl gegrüßt hatte. Beim zweiten Fahrer war ich dann schon ein wenig irritiert. Beim dritten fing ich an mir Sorgen zu machen. Also parkte ich beim Einkaufen ganz nah an der Wand des Supermarktes um so prüfen, ob meine Scheinwerfer auch richtig eingestellt waren. Leider konnte ich das aber nicht beurteilen, denn da an der Wand war kein Licht zu sehen. Für die Heimfahrt legte ich den Schalter dann von „Automatik“ auf normale Lichteinstellung um und nahm mir fest vor, mich beim Gatten über die blöde neumodische Technik zu beschweren, die nach so kurzer Zeit schon kaputt geht.

Leider nahm mir Daheim das Grinsen des Gatten den ganzen Wind aus den Segeln. Feixend klärte er mich darüber auf, dass die Automatik-Einstellung beim Licht nicht nur bedeutet, dass das Licht beim Starten des Motors alleine an- und später auch wieder ausgeht. Sondern dass das Auto auch ganz automatisch entscheidet, ob ich überhaupt Licht brauche. Und die dicke weiße Nebelsuppe war der Karre offensichtlich hell genug. (Ich hingegen wäre gerne rechtzeitig zu sehen gewesen. Aber das kann dem Wagen ja egal sein.)

Ich bin ja gespannt, was als Nächstes kommt. Knallt das Auto vielleicht selbständig die Kofferaumklappe zu wenn es der Meinung ist, ich habe schon genug Koffer für den Urlaub eingeladen? Schwenken die Pedale beiseite, wenn ich meine Schuhe nicht ordentlich genug geputzt habe? Oder geht eventuell die Dachluke im Regen auf, wenn mein Auto findet, mir würde auch der Wet-Look gut stehen?

Babyblau

Schaut man sich in den Abteilungen für Babykleidung um, dann fällt sofort auf: Eltern bleibt kaum etwas anderes übrig als ihre Söhne in blau und ihre Töchter in rosa zu kleiden. Zwar ist es uns gelungen, für unseren zwei Monate alten Sohn einige Strampler in grau, braun und türkis zu finden. Aber Kinderwagen, Schonbezug für die Babyschale, Schneeanzug und erste Mütze sind blau. Er sollte also unterwegs eindeutig als Junge zu identifizieren sein. (Außerdem hat er meiner Meinung nach auch keine besonders weiblichen Züge.)

Trotzdem scheint das Geschlecht meines Kindes regelmäßig Fragen aufzuwerfen. Beim ersten Mal wurde wenigstens noch „Junge oder Mädchen?“ gefragt. Kurz überlegte ich, ob ich einfach mit „Ein Mädchen natürlich!“ antworten sollte. Noch schöner aber war es kurze Zeit später beim Einkaufen. Eine ältere Dame stand neben meinem Einkaufswagen, strahlte meinen Sohn an und wollte wissen, wie alt SIE denn sei. Da fiel selbst mir keine schlagfertige Antwort mehr ein. Um von Anfang an Klarheit zu schaffen habe ich am Kinderwagen einen blauen Anstecker mit der Aufschrift „Prinz“ angebracht.

Inzwischen ist der Lütte aus seiner blauen Mütze rausgewachsen und trägt eine braune Teddymütze. Ich warte schon darauf, wann mich jemand auf das süße Monchichi in meinem Kinderwagen anspricht.

Geschenkte Gäule

Als ich noch ein Kind war, da hatte meine Mutter im Wohnzimmerschrank immer ein paar Notfallgeschenke parat liegen. Flatterte eine spontane Einladung ins Haus, dann kramte sie eine schwarze Kartenspiel-Box hervor. Oder, wenn es sich um ein Kind handelt, etwas Süßes. Zu einem Kindergeburtstag, zu dem ich erst wenige Stunden zuvor eingeladen worden war, ging ich einmal mit zwei hübsch verpackten Tafeln Schokolade.

Ich bin nicht so gut vorbereitet wie meine Mutter. Sollte ich überraschend eingeladen werden, dann schaue ich in meine Weinvorräte oder in meine Süßigkeitenschublade und suche eine Flasche Hochprozentiges oder eine Schachtel Pralinen hervor. Dabei habe ich auch keinerlei Skrupel, etwas weiter zu schenken, das ich selbst geschenkt bekommen habe. Und habe im Gegensatz dazu auch kein Problem damit, wenn eine meiner Gaben weitergereicht wird. Aus diesem Grund beschrifte ich auch nie die Anhänger an Geschenketüten. Damit sie ohne Peinlichkeiten noch wiederverwendet werden können.

Andere denken anscheinend nicht so weit. Vor einigen Wochen bekam ich von Besuchern einen kleinen Fresskorb mit Schokolade, Olivenöl, Balsamico und Senf. Verpackt war der Korb in Klarsichtfolie und einen niedlichen goldenen Beutel, an dem ein sternförmiger Anhänger hing. „Liebe Grüße von Volker und Ute“ stand dort in schwarzen Buchstaben. Dumm nur, dass unser Besuch weder Volker noch Ute hieß. (Die wirklichen Namen verschweige ich aus familiären Gründen lieber…)

Weit draußen

Es hat schon seine Vorteile, außerhalb zu wohnen. Von meinem Wohnzimmer aus kann ich im Frühling die süßen kleinen Lämmer des benachbarten Bauern sehen, im Herbst schimmert ein großer See durch die Bäume und im Winter streunen öfter mal Rehe durch den Garten. Es gibt aber eine Situation, in der es wirklich unpraktisch ist, vor den Toren der Stadt (in meinem Fall des Dorfes) zu wohnen. Nämlich immer dann, wenn ich auf ein Paket warte.

Unsere Adresse ist nämlich aus zwei Gründen speziell. Nicht nur, dass wie außerhalb wohnen. Wir haben auch keine Hausnummer. Wie noch einige andere Häuser, die dieselbe Adresse haben. Regelmäßig bekomme ich nach Onlinekäufen Anrufe, ob ich auf dem Bestellformular nicht vielleicht die Hausnummer vergessen habe. Nein, habe ich nicht.

Das größere Problem aber sind die Paketdienste, deren Fahrer sich meist nicht so gut in der Gegend auskennen und auch nicht die Zeit haben, lange nach uns zu suchen. Meistens bekomme ich nach einiger Zeit einen Brief, dass man mich nicht finden konnte und ich meine Lieferung bitte im nächsten Shop abholen soll. (Die Ironie dabei, dass die Lieferdienste es der Post zutrauen, mich zu finden, gefällt mir allerdings sehr.)

Manchmal aber ruft die Lieferzentrale mich an und nach ausführlicher Wegbeschreibung kommt meine Bestellung dann doch bei mir an. So wie vergangene Woche. Wie kompliziert die Auslieferung aber gewesen sein muss, zeigten diverse Notizen auf meinem Paket. Im ersten Anlauf hatte der Paketbote uns mal wieder nicht gefunden und seiner Verwirrung auf dem Paket Raum gegeben. „Und wo soll das sein?“ hatte er neben unsere Adresse geschrieben. Gleich daneben die Reaktion aus der Zentrale: „Das stimmt schon, es gibt keine Hausnummer.“ Ich kann nicht beurteilen, ob der Mann danach noch einen vergeblichen Zustellversuch startete. Auf jeden Fall stand auf einem dritten Zettel meine Wegbeschreibung. Die offensichtlich hilfreich war. Und bei dem Paketboten für Erleichterung sorgte, denn bei der Auslieferung begrüßte er mich mit den Worten: „Na, da hat es ja doch noch geklappt.“

Nicht geklappt hat es leider bei einem anderen Paketdienst. Obwohl die sich auch wirklich Mühe gaben und auf mein Paket einen Ausdruck von Google Maps geklebt hatten. Und auf diesem Ausdruck war unsere Adresse sogar richtig markiert.

Einen Vorteil hat die ganze Sache mit der fehlenden Hausnummer aber doch. Denn regelmäßig kann ich mir meine Hausnummer aussuchen. Das liegt daran, dass viele Computerprogramme streiken, wenn man keine Hausnummer angibt. Und so haben wir bei der Zulassungsstelle die Hausnummer 0, bei diversen Onlinehändlern die Nummer 1 und bei der Telekom die Hausnummer 99.

Früher war alles besser…

Ich bin noch nicht alt, vor ein paar Monaten bin ich grade erst 33 Jahre alt geworden. Trotzdem ertappe ich mich in letzter Zeit immer wieder bei dem Gedanken: „Früher war alles besser.“ Naja, vielleicht nicht wirklich besser. Aber entspannter, einfacher, genügsamer.

Das erste Mal kam mir der Gedanke, als mir vor ein paar Wochen die Kiste mit den alten Legosteinen in die Hände fiel. In meiner Erinnerung hatten meine Schwester und ich unheimlich viel Lego, waren die beiden Curver-Kisten ausgekippt, so war vom Fußboden im Kinderzimmer nicht mehr viel zu sehen. Jetzt aber schaute ich mir diese übersichtliche Menge an Platten und bunten Steinen an und war erstaunt, wie wenig Legosteine wir doch in Wirklichkeit hatten. Jedenfalls nach heutigen Maßstäben.

Ein paar Tage später sortierte ich ein paar alte Kochbücher aus. Dabei waren auch ein Haufen rund 30 Jahre alte Rezeptkarten. Einerseits waren die wirklich ziemlich lustig – ich denke, belegte Brote bekomme ich so grade eben auch ohne Rezept hin. Andererseits aber haben mir diese Karten auch wertvolle Ideen gegeben. Besonders, weil viele der Rezepte aus nur wenigen Zutaten bestehen. Im Gegensatz zu vielen Vorschlägen in aktuellen Kochbüchern werden für eine leckere Mahlzeit nur wenige Zutaten gebraucht. Perfekt, wenn man nur noch ein paar Reste hat, die man aufbrauchen will.

Und schließlich stand ich Anfang der Woche ziemlich überfordert in der Drogerie vor dem Regal mit Babyartikeln. (Ja, das hat seinen guten Grund, der in wenigen Wochen bei uns einziehen wird.) Nicht nur, dass es so unheimlich viele verschiedene Cremes, Seifen, Duschgele, Puder und Waschlotionen gibt. Nein, es gibt den ganzen Kram auch noch von diversen verschiedenen Marken. Neben mir stand eine ebenso überforderte Großmutter. „Zu meiner Zeit damals gab es grade mal Bübchen und Penaten“, sagte sie zu mir. Und mir schoss durch den Kopf, wie schön, wenn das auch heute noch so wäre.

Ich bin nicht der Meinung, dass unsere Eltern und Großeltern es einfach hatten. Jeder Zeit hat ihre eigenen Probleme. Aber manchmal wünsche ich mir, dass unsere heutige Zeit nicht so anspruchsvoll wäre und wir uns auch mit simpleren Dingen zufrieden geben würden. Simpel muss eben nicht automatisch eingeschränkt oder unglücklich bedeuten. Im Gegenteil: Auch mit wenig Legosteinen hatten meine Schwester und ich eine glückliche Kindheit.

Also versuche ich, ein wenig dieser einfacheren Lebensweise in meinen Alltag zu integrieren. Den Anfang machten dabei einige Rezepte der Kochkarten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von alleine nicht unbedingt drauf gekommen wäre, dass man mit Möhren, Curry und Nudeln ein so leckeres Mittagessen kochen kann.

Zum Thema „Überforderung im Supermarkt“ schrieb ich übrigens schon einmal den Text „Keine Wahl„.