Eine Woche voller Wasser – Fazit des Projektes Wasserwoche

Fast traue ich mich nicht, dieses Fazit zum Projekt Wasserwoche zu schreiben. Ein wenig fürchte ich, dass die anderen Teilnehmer mich hassen werden. Denn ich hatte nicht wirklich ein Problem damit, eine Woche lang nur Wasser zu trinken und auf Tee, Cola oder Saft zu verzichten.

Trotzdem habe ich die Challenge wohl nicht ganz bestanden, denn von den insgesamt 24 bei Clara (Tastesheriff) gewonnenen Gerolsteiner-Flaschen habe ich nur 21 ausgetrunken. Rechnerisch waren das also statt der vorgegebenen 2,5 Liter am Tag nur 2,25 Liter. Allerdings steht sogar auf den Flaschen selbst, man solle mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinken, also verbuche ich die Woche als Erfolg.

Dabei begann gleich der erste Morgen mit einem riesigen Durst auf ein Glas Apfelsaft. Da spielte mir mein Hirn wohl einen formidablen Streich, denn sonst trinke ich äußerst selten Apfelsaft. Nachmittags beim Einkaufen ertappte ich mich dann dabei, dass ich überlegte, was wir leckeres trinken könnten. Bis mir dann schlagartig einfiel, dass ich mir diese Gedanken die nächsten Tage nicht machen muss.

Hilfreich bei der Wasserwoche war natürlich auch das warme Wetter vergangene Woche. Da schmeckte Wasser doch viel besser als etwa eine süße Cola. Dank an dieser Stelle übrigens auch an meinen Mann, der meinen Versuch nicht durch irgendwelche fiesen Getränkeangebote sabotierte.

Allerdings muss ich auch ein Geständnis machen: Während ich die Tupperparty problemlos an meiner Wasserflasche nuckelnd (man merkt gar nicht, dass ich mehrmals täglich stille, oder?) überstand, habe ich vermutlich beim Geburtstag des Schwagers einen Schluck aus dem Spezi-Glas des Gatten genommen. Ich bin mir nicht sicher, ich kann mich nicht erinnern und Zeugen gibt es nicht. (Die anderen Gäste müssen gedacht haben, ich sei auf Extrem-Diät: nur Wasser getrunken und als Veganerin nur die Gemüsebeilagen ohne Sauce gefuttert und auch noch auf die Torte verzichtet.)

So wenig entbehrungsreich die Wasserwoche für mich war, so sehr habe ich mich gestern auf meine erste Flasche Cola gefreut. Denn für immer werde ich nicht zur Wassertrinkerin. Ganz zur Freude des Gatten, der da schon seine Befürchtungen hatte: „Als du Vegetarierin wurdest war es nur ein Experiment. Und als du ganz auf tierische Sachen verzichtet hast war es auch erst nur ein Versuch…“

Advertisements

Der Mann in rosa

Im vergangenen Jahr schrieb ich in „Der Rassist in mir“ darüber, dass ich mich künftig nicht mehr so sehr von Vorurteilen leiten lassen will. Leider muss ich an dieser Stelle erklären, dass meine Bemühungen gescheitert sind. Jedenfalls wenn sie Männer mit rosa Oberteilen betreffen.

Denn heute Vormittag hatte ich an der Tankstelle eine unliebsame Begegnung mit einem solchen Exemplar. Der Herr – graue Haare, rosa Pulli, schwarzer Smart – stand vor mir an der Kasse und wollte mit EC-Karte zahlen. Leider hatte er auf der Karte nicht unterschrieben, so dass die Kassiererin ihn nach einem anderen Dokument bat, auf dem sie seine Unterschrift überprüfen konnte. Das allerdings nahm der gute Mann sehr persönlich. Was sie denn glaube, wen sie vor sich habe? Demonstrativ bot er ihr erst die Treuekarte eines Bäckers und dann eines Erdbeerstandes an. Auch ihren Einwand, dass sie dazu verpflichtet sei, wollte der rosa Rächer nicht gelten lassen. Erstens müsse er so nicht mit sich reden lassen, das sei ja eine Unverschämtheit. Und außerdem habe er genug Zeit, um die Sache auszusitzen.

Unverschämt war allerdings nur sein Verhalten. Und zunehmend wurde es auch albern. In seiner Wut nannte er sprach er den Namen der Kassiererin Frau Haas (so nenne ich sie einfach mal) falsch aus und nannte sie „Frau Hase“. Ihre Korrektur wischte er weg und nannte sie ab da demonstrativ „Frau Hase“.

An dieser Stelle konnte ich nicht mehr und mischte mich ein. Er sollte die ganze Sache doch einfach positiv sehen und sich vorstellen, was wäre, wenn seine EC-Karte gestohlen worden wäre. Da würde er doch auch wollen, dass jemand die Rechtmäßigkeit des Nutzers überprüfe. Oh, da hatte ich ihn aber auf dem falschen Fuß erwischt. Die Kassiererin solle sich doch ihre Kunden einfach ansehen, dann würde sie schön erkennen, dass er keiner dieser Öztürks sei, die EC-Karten klauten. Aber es sei ja kein Wunder, dass wir Frauen zusammenhielten.

Irgendwann wurde es der Kassiererin zu dumm, sie schrieb sich das Autokennzeichen des Herren in rosa auf und ließ ihn in sein Auto steigen. Hatte ich schon erwähnt, dass Mister Wichtig in einem putzigen kleinen Smart abfuhr?

Nur ein kleiner Rat

Wenn ich mit meinem drei Monate altem Sohn im Kinderwagen unterwegs bin und auf ältere Damen treffe, dann passieren mit schöner Regelmäßigkeit zwei Dinge. Erst werfen besagte Damen einen Blick in den Wagen und bescheinigen mir, was für ein niedliches Kind mein Sohn doch sei. Anschließend bekomme ich gute Ratschläge. Ungefragt, selbstverständlich.

So wie heute, als eine fremde Frau meinem bis an die Nasenspitze eingepackten Kind die Händchen tätschelte, feststellte, dass diese ja ziemlich kalt seinen und besorgt fragte, ob ich denn auch Handschuhe dabei habe. Auf meine Aussage, dass kalte Hände bei einem Baby nicht so sehr viel zu bedeuten haben, erntete ich nur einen ungläubigen Blick. Oder jene mir unbekannte Begleiterin, mit der ich jüngst ein paar Meter durch den Wald stapfte. Die üblichen Small-Talk-Themen mit Kindern ließ sie aus (Geschlecht, wie alt, schläft es schon durch?), um gleich zum Wesentlichen zu kommen: „Und, wollen Sie noch mehr Kinder?“ Das ist ehrlich gesagt nicht unbedingt ein Thema, dass ich mit wildfremden Leuten diskutieren möchte. Als ich mit einem Blick in den Kinderwagen kontrollierte, ob mein Sohn seinen Schnuller noch im Mund hatte, bekam ich folgenden Tipp von ihr: „Passen Sie bloß auf, sonst gewöhnt er sich daran und will später gar nicht mehr ohne Schnuller einschlafen!“ Und auch den Klassiker „Das Kind nicht andauernd auf den Arm nehmen, sonst verwöhnt man es zu sehr“ habe ich auch schon einige Male zu hören bekommen.

Ich frage mich, warum es in einer gewissen Altersklasse zum guten Ton zu gehören scheint, ungefragt Ratschläge zu geben. Denn fast immer sind es Frauen im Alter meiner Mutter oder älter, die mich mit ihrer Lebenserfahrung beglücken. Gleichaltrige Frauen halten sich zurück. Ist es vielleicht eine Art missverstandener Generationenvertrag? So unter dem Motto: „Wir hatten früher eine Großfamilie, die uns in allen Lebenslagen beraten hat und die jungen Dinger von heute sind ja ganz allein.“ Oder brauchen diese Frauen das Gefühl, noch gebraucht zu werden?

Das Problem an der Sache – oder besser: die Probleme – : Ich weiß sehr wohl, wen ich um Hilfe bitten kann, sollte ich mal nicht weiter wissen. Und außerdem habe ich mitten auf der Straße von wildfremden Frauen noch nicht einen einzigen Tipp bekommen, der mir wirklich geholfen hätte. Deshalb hier mein Rat an alle beratungswilligen Frauen da draußen: „Lasst mich mit euren Ratschlägen in Ruhe!“

Die Macht der Maschinen

Ich habe mich ja inzwischen schon daran gewöhnt, dass mein Auto mir Vorschriften machen will. Fahre ich drei Meter ohne mich angeschnallt zu haben (nur um das klar zu stellen: auf dem Parkplatz natürlich), dann pingt es und ein Symbol leuchtet in grimmigem Rot auf. Und halte ich mich frecher Weise einmal nicht an die vom Navi favorisierte Route, dann fordert mich die Stimme des kleinen Kastens in freundlich-penetrantem Ton dazu auf, die nächste Straße links abzubiegen oder bitte zu wenden. Jetzt aber macht mein Auto mir nicht nur Vorschläge – es entscheidet gleich ganz für mich.

Vorige Woche war ich bei Nebel unterwegs. Es war so eine richtig dicke, weiße Suppe, man konnte kaum 50 Meter weit sehen. Als mich der erste entgegenkommende Wagen anblinkte überlegte ich noch, wer mich da wohl gegrüßt hatte. Beim zweiten Fahrer war ich dann schon ein wenig irritiert. Beim dritten fing ich an mir Sorgen zu machen. Also parkte ich beim Einkaufen ganz nah an der Wand des Supermarktes um so prüfen, ob meine Scheinwerfer auch richtig eingestellt waren. Leider konnte ich das aber nicht beurteilen, denn da an der Wand war kein Licht zu sehen. Für die Heimfahrt legte ich den Schalter dann von „Automatik“ auf normale Lichteinstellung um und nahm mir fest vor, mich beim Gatten über die blöde neumodische Technik zu beschweren, die nach so kurzer Zeit schon kaputt geht.

Leider nahm mir Daheim das Grinsen des Gatten den ganzen Wind aus den Segeln. Feixend klärte er mich darüber auf, dass die Automatik-Einstellung beim Licht nicht nur bedeutet, dass das Licht beim Starten des Motors alleine an- und später auch wieder ausgeht. Sondern dass das Auto auch ganz automatisch entscheidet, ob ich überhaupt Licht brauche. Und die dicke weiße Nebelsuppe war der Karre offensichtlich hell genug. (Ich hingegen wäre gerne rechtzeitig zu sehen gewesen. Aber das kann dem Wagen ja egal sein.)

Ich bin ja gespannt, was als Nächstes kommt. Knallt das Auto vielleicht selbständig die Kofferaumklappe zu wenn es der Meinung ist, ich habe schon genug Koffer für den Urlaub eingeladen? Schwenken die Pedale beiseite, wenn ich meine Schuhe nicht ordentlich genug geputzt habe? Oder geht eventuell die Dachluke im Regen auf, wenn mein Auto findet, mir würde auch der Wet-Look gut stehen?

Sag niemals nie

„Sag niemals nie“ – dieser Spruch ist so abgedroschen, dass ich ihn nur als Titel eines James-Bond-Filmes akzeptieren kann. Und trotzdem trifft er gerade genau auf mein Leben zu. Der Grund dafür ist gestern sechs Wochen alt geworden, 50 Zentimeter groß und gnüddelt neben mir auf dem Sofa rum.

Seit der Geburt meines Sohnes mache ich Dinge, von denen ich nie, nie, nie gedacht hätte, dass ich sie tun würde. Eher hätte ich geglaubt, dass ich in einem goldenen Bikini an einem DSDS-Casting teilnehmen und „I will always love you“ singen würde. Wobei ich gestehen muss, dass es sogar schon in der Schwangerschaft anfing. Da ertappte ich mich eines Tages im Drogeriemarkt, wie ich geschlagene 20 Minuten darüber grübelte, welche Art Schnullerband denn die beste für meinen Lütten ist. Silikon? Stoff? Holz? Wenn Holz: unbehandelt oder bunt lackiert? Silikon ist zwar hässlich, kann aber hygienisch in der Spülmaschine gewaschen werden. Stoff ist hübsch, aber wird im angesabberten Zustand schnell siffig. Und was ist, wenn mein kleiner Liebling die bunte Farbe vom Holzband knabbert? Nicht auszudenken. (Davon abgesehen, dass wir bis jetzt noch gar kein Schnullerband gebraucht haben, habe ich mich für eines aus durchsichtigem Silikon entschieden. Nicht schön, aber praktisch. Mütter werden mich verstehen)

Vor ein paar Wochen dann ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass ich ganz unbedingt Desinfektionstücher für unterwegs brauche. Als mir diese Erkenntnis durch den Kopf schoss, stand ich grade bei dm an der Wickelstation und verpasste dem Sohnemann eine neue Büx. Eine Wickelstation übrigens, die sauber, ordentlich und mit großen Unterlegtüchern ausgestattet war. Und obwohl es erstens eher unwahrscheinlich ist, dass ich meinen Sohn (immerhin mein Erstgeborener!!!) an einem Ort nackig machen würde, der auch nur annähernd so dreckig wäre, dass ich ein Desinfektionstuch brauchen würde, trage ich in meiner an eine Reisetasche erinnernden Wickeltasche nicht nur eine Unterlage, eine Decke sowie mehrere Tücher dabei. Trotzdem, inzwischen habe ich natürlich eine Packung sterile Tücher dabei.

Den Mütter-Klassiker habe ich selbstverständlich auch schon im Programm: Das Kind hochheben und an der Hose schnüffeln um zu sehen, ob eine neue Büx gebraucht wird. Und einen Popel habe ich meinem Sohn auch schon aus der Nase gepult. Das Schlimme dabei: Ich fand es nicht einmal widerlich. Hilfe!!!

Ich bin gespannt, was für abstruse Ideen mir noch kommen. Ideen, die mir inzwischen vollkommen natürlich vorkommen werden. Wie Mütter halt so sind.

Ach, und bevor ich es vergesse: Das hier wird jetzt kein weiterer Mami-Blog werden. Obwohl man ja niemals nie sagen soll…

Ein Leben lang

In den vergangenen Wochen war ich auf einigen Freisprechungsfeiern. Für die, die es nicht wissen: Nein, da wird nicht gefeiert, dass jemand dem Kittchen entronnen ist. Vielmehr werden die neuen Handwerksazubis zu Gesellen ernannt.

Typischer Bestandteil solcher Veranstaltungen sind Reden, meist vom Obermeister der Handwerkszunft, oft von Berufsschullehrern, gerne auch von Politikern. Aber egal, wer spricht – zwei Themen kamen bis jetzt bei fast jeder Freisprechung vor: In Zeiten des Fachkräftemangels handele es sich bei den Junggesellen um begehrte Arbeitskräfte. Und auch mit Beendigung der Ausbildung höre das Lernen nicht auf.

Anfangs gingen mir diese immer gleichen Floskeln ziemlich auf die Nerven. Dann aber dachte ich über den Aspekt des lebenslangen Lernens mal ein wenig intensiver nach. Denn so abgedroschen es klingt, es stimmt.

Gewusst habe ich diese Tatsache ja schon länger. Und so habe auch ich in den vergangenen Jahren die ein oder andere Fortbildung besucht. Es gibt viele Bereiche, über die ich unbedingt noch etwas lernen möchte. Doch meistens siegte der innere Schweinehund und so habe ich mich diesen Aspekten dann doch nicht mit der Aufmerksamkeit gewidmet, die ich mir vorgenommen hatte.

Das soll nun anders werden. Denn ich habe eine Methode gefunden, mit der ich (hoffentlich) ein Leben lang etwas dazulerne. Im besten Fall täglich. Und ohne viel Aufwand. Ich versuche einfach, jeden Tag etwas Neues zu erfahren. Oftmals ist das eine Kleinigkeit. Aber es geht bei der Sache nicht darum, jeden Tag etwas wahnsinnig außergewöhnliches kennenzulernen. Sondern einfach etwas, das ich noch nicht wusste. Und vor allem: Mir auch bewusst zu machen, dass ich gerade etwas gelernt habe. Dazu muss ich nicht einmal richtig aktiv werden, meistens reicht es Zeitung zu lesen, Nachrichten zu schauen oder „Wer wird Millionär“ einzuschalten. Denn natürlich erfahren wir jeden Tag Neuigkeiten. Meistens fällt es uns nur nicht auf.

Seit einigen Wochen versuche ich nun, diese Methode anzuwenden. Natürlich gelingt es mir nicht immer. An einigen Tagen fällt mir abends partout nichts ein, was ich gelernt habe. Das ist aber auch nicht schlimm. Dafür weiß ich jetzt, dass es nicht nur das Galicien in Spanien, sondern auch ein Galizien in der Ukraine gibt. Oder dass Marianne Rosenberg eine Sinti ist. Nicht unbedingt weltbewegende Dinge. Für mich aber neu.

Der Rassist in mir

Vergangenen Sonnabend traf ich auf dem Parkplatz des Supermarktes auf das personifizierte Klischee. Direkt neben uns parkte ein silberner Mercedes-Geländewagen. Der Fahrer trug Jeans, Hemd und über die Schultern gelegt einen rosa Pulli. Und zu guter Letzt war auf der Seite des Geländeagens noch die Werbung für ein Gestüt angebracht. Das ganze Wochenende über musste ich beim Gedanken an diesen Mann schmunzeln, freute mich darüber, dass meine Vorurteile so grandios bestätigt wurden und grübelte, ob der Mann wohl eher BWL oder Jura studiert hatte.
Plötzlich aber musste ich an eine Doku denken, die ich vor einigen Wochen auf ZDFneo gesehen hatte. In „Der Rassist in uns“ ging es darum, wie schnell Menschen sich von Vorurteilen verleiten lassen. In dem Experiment wurde den Teilnehmern mit braunen Augen eingeredet, sie seien sehr viel mehr wert als die Blauäugigen, die dumm und renitent seien. Kommentiert wurde das Verhalten der Teilnehmer aus dem Nebenraum von der Sozialpsychologin Prof. Dr. Juliane Degner und dem Sozialpädagogen Prof. Dr. Mark Schrödter.
Nun ist Schrödter selbst dunkelhäutig und mein erster Gedanke, als er vorgestellt wurde, war: „Lustig, der Name passt gar nicht zu ihm.“ Es dauerte eine Weile, bis mir der Alltagsrassismus in diesem Gedanken klar wurde. Warum soll ein Dunkelhäutiger nicht Mark oder Schrödter heißen? Welcher Name hätte denn meiner Meinung nach besser zu ihm gepasst? Jeder, Hauptsache nicht so typisch deutsch?
Jeder von uns hat von sich selbst das Bild eines unheimlich toleranten Menschen, der bei beobachteten Ungerechtigkeiten oder Diskriminierungen natürlich sofort eingreifen würde. Der selbstverständlich in seinem Freundes- und Bekanntenkreis Homosexuelle, Menschen mit Migrationshintergrund und Leute mit psychischem oder physischem Handikap hat. Und der so verdammt politisch korrekt ist, dass er nie „Schwarzer“, „Ausländer“ oder „Behinderter“ sagen würde, um auf keinen Fall jemanden zu verletzen.
Nur leider stimmt dieses Wunschbild nicht. Denn auch wenn wir keinen Blödsinn wie „Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg“ von uns geben, so stecken doch in jedem von uns tief verwurzelte Vorurteile. Nicht unbedingt gegen Ausländer. Aber vielleicht gegen Mercedesfahrer mit einer Vorliebe für rosa Pullis. Aber sich dessen klar zu werden ist vielleicht schon ein erster Schritt hin zu einem wirklich toleranten Menschen.

Dinge, von denen…

Immer öfter passiert es mir, dass ich beim surfen durchs Internet einen Ohrwurm habe. Nein, die Rede ist nicht von „Computerliebe“. Sondern von dem Ärzte-Song, der als Überschrift über diesem Blogpost steht: „Dinge, von denen.“
Was sich im ersten Moment – zumindest für einen Ärzte-Fan wie mich – sehr nett anhört, entpuppt sich als ziemliche Nerverei. Nicht wegen des Liedes, sondern wegen der Gründe für den Ohrwurm. Grundsätzlich kriecht der nämlich in meine Gehörgänge, wenn mal wieder Menschen Dinge im Internet posten, die sie besser für sich behalten hätten. „Dinge, von denen ich gar nichts wissen will“ eben.
Kürzlich fragte etwa eine Frau in einer veganen Facebookgruppe, ob außer ihr noch jemand nach der Ernährungsumstellung Probleme mit Blähungen gehabt habe. Ist das wirklich ein Thema, dass man mit der ganzen Welt teilen muss? Vielleicht bin ich verklemmt, aber über das Thema spreche ich höchstens mit meiner besten Freundin. Wenn überhaupt.
Ganze Blogeinträge widmen sich inzwischen den „Erdbeerwochen“ der Frauen und welche Art der Monatshygiene denn am angenehmsten ist. Wenn wir von der weiblichen Periode verschämt als Erdbeerwoche reden müssen, dann lassen wir es doch besser ganz, oder?
Bitte versteht mich nicht falsch, auch ich habe auf Twitter, Facebook oder hier im Blog gewiss schon private und persönliche Dinge gepostet. Wir leben einfach in einer Welt, in der das Internet einen immer größeren Teil des Privatlebens ausmacht. Aber es sollte gewisse Grenzen geben. Viele Intimitäten sollte man besser für sich behalten oder wenn, sie den Adressaten im so genannten „Real life“ persönlich erzählen. Und mit intim meine ich jetzt nicht nur Dinge, die Sex oder sonstige Körperfunktionen betreffen.
Andererseits, warum rege ich mich überhaupt noch auf? Immerhin hat selbst die Werbung keine Skrupel mehr, uns das Durchfallgesicht von Menschen zu zeigen. Auch so ein Ding, von dem ich nie etwas wissen wollte.

Dreifarbiger Wahnsinn

Ach, wie schön war es doch damals, im Jahr 2006. Damals, als die Fußball-WM Deutschland ein Sommermärchen bescherte und ich als eine der wenigen mit einer Deutschland-Fahne am Auto rumfuhr. Kaum zu glauben, aber damals waren solche WM-Devotionalien kaum zu bekommen. Anders als heute.

Inzwischen kann man kaum noch in ein Geschäft gehen, ohne von schwarz-rot-goldenen Dingen erschlagen zu werden. Waren es früher noch klassische Fan-Artikel wie Fahnen, T-Shirts oder Schminkstifte, sind es inzwischen ziemlich abstruse Dinge. Ich habe mir in den letzten Wochen mal den Spaß gemacht, ein paar Dinge aufzuschreiben.

Die Kitsch-Freundin, die früher in mir steckte, hätte sich beim Dänischen Bettenlager wohl wie im Paradies gefühlt. Denn dort gab es nicht nur eine Musik spielende Fahne, sondern auch einen Klappstuhl, der mit den Daten der deutschen WM-Titel bedruckt ist. Für den vergesslichen Fan. Wobei der vergessliche und zugleich optimistische Fan dann doch lieber zu den mit der deutschen Flagge sowie den Jahreszahlen 1954, 1974, 1990 und 2014 bedruckten Stuhlauflagen greifen sollte.

Für den (zugegeben seeeehr unwahrscheinlichen) Fall, dass die deutsche Mannschaft doch verlieren sollte, bietet es sich an, sich den offiziellen DFB-Fußball aus dem Penny-Sortiment zuzulegen. Bedruckt ist dieser Ball mit den Köpfen von Hummels, Götze und Özil und nach einer Niederlage der deutschen Elf kann der Fan ein paar mal gepflegt gegen den Ball treten und so seinen Frust auf die Mannschaft abzubauen. Oder, wer nicht ganz so brutal werden möchte, kauft sich in der Nationalmannschaftsedition von Monopoly eben ein paar eigene WM-Höhepunkte.

Überhaupt Penny, dort gab es in den vergangenen Wochen auch patriotisch gefärbte Nudeln und sogar Zahnbürsten mit roten, schwarzen und gelben Borsten. Die lassen sich nach dem Genuss der ebenfalls dort erhältlichen Fußball-Pringles nutzen. Passend zu den Ländern, in denen die deutsche Mannschaft schon Weltmeister-Titel holte, schmeckt die Sorte 1954 nach Käse und 1990 nach italienischer Focciaca. (Welches Aroma die Sorte 1974 hat weiß ich nicht. Sauerkraut vielleicht?).

Eigentlich hatte ich vor, meinen Text mit ein paar ironischen Vorschlägen für weitere Produkte zu beenden. Doch jeden Tag habe ich absurdere Fußball-Fan-Dinge entdeckt, für die selbst meine Phantasie nicht ausreicht. Neustes Beispiel: Eine schwarz-rot-gelbe Küche!!!

Bild

P.S.: An dieser Stelle muss ich ein Geständnis machen. Denn so verrückt ich all diesen Fußballkram auch finde, ganz widerstehen konnte ich ihm trotzdem nicht. Und so kaufte ich vor ein paar Tagen eine Haribo-Tüte mit dreifarbigem Fruchtgummi. Asche auf mein Haupt. Immerhin waren sie lecker.

Die seltsame Ottilie

Achtung, hier kommt eine wichtige Mitteilung: Ich bin eine Frau. Und ich werde auch gerne als eine solche wahrgenommen. Noch wichtiger aber ist es mir, als ebenso wichtig (oder meinetwegen auch unwichtig) angesehen zu werden wie ein Mann. Stichwort Gleichberechtigung. Man kann es mit der Gleichberechtigung aber auch übertreiben.

Beispielsweise geht es mir ziemlich auf die Nerven, wenn auf Krampf politisch korrekt überall von Mitglieder/-innen (oder noch schlimmer: MitgliederInnen) geschrieben wird. Denn meistens bleibt es ja nicht bei einem dieser Konstrukte innerhalb eines Textes. Um ja niemandem auf den Schlips oder das Halstuch zu treten, ist dann ja meist auch die Rede von Kassenwart/Kassenwartin oder Sekretär/Sekretärin. Dadurch lassen sich die Texte wahnsinnig mühsam lesen. Und diese ganze politische Korrektheit ist meiner Meinung auch völlig unnötig. Ich persönlich fühle mich auch angesprochen, wenn auf der Einladung meines Sportvereins nur von den Mitgliedern die Rede ist.

Doch hat sich ein Veranstalter, Autor oder eine Organisation aber einmal dafür entschieden, nur eine Geschlechtsbezeichnung zu benutzen, von der sich dann aber Männer, Frauen und Transgender angesprochen fühlen sollen, dann ist noch längst nicht alles gut. Und ich meine an dieser Stelle nicht die Leipziger Uni, die in offiziellen Schriftstücken angeblich nur noch die weibliche Bezeichnung nutzen wollte.

Vor einiger Zeit stieß ich in einem Artikel in der taz auf eine ominöse „Ottilie Normalbürger“. Im ersten Moment stutzte ich, was diese Dame plötzlich zu bedeuten hat, war sie doch vorher noch gar nicht im Text vorgekommen. Kurz darauf dämmerte es mir: Ottilie Normalbürger ist die kleine Schwester von Otto Normalbürger.

Ich vermute einmal ganz stark, dass meine Verwirrung nicht von der taz beabsichtigt war, sondern die Redaktion nur eine besonders kreative Form der politischen Korrektheit nutzen wollte. In meinem Fall aber ging die ganze Sache nach hinten los. Denn nicht nur, dass ich mich gar nicht mehr richtig auf den Artikel konzentrieren konnte. Ich fand die Ottilie auch so albern, dass ich nicht mehr in der Lage war, den Rest des Textes (es ging, glaub ich, um eine alternative Papierherstellung aus Steinen) noch mit dem ihn zustehenden Ernst zu lesen.

Deshalb an dieser Stelle eine Bitte: Wer möchte, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, der sollte an den gesellschaftlichen Gegebenheiten etwas ändern – ich sag nur gleiche Bezahlung von Männern und Frauen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie etc. Seltsame, krampfartige Wortschöpfungen sind an dieser Stelle allerdings wenig hilfreich.