Nur ein kleiner Rat

Wenn ich mit meinem drei Monate altem Sohn im Kinderwagen unterwegs bin und auf ältere Damen treffe, dann passieren mit schöner Regelmäßigkeit zwei Dinge. Erst werfen besagte Damen einen Blick in den Wagen und bescheinigen mir, was für ein niedliches Kind mein Sohn doch sei. Anschließend bekomme ich gute Ratschläge. Ungefragt, selbstverständlich.

So wie heute, als eine fremde Frau meinem bis an die Nasenspitze eingepackten Kind die Händchen tätschelte, feststellte, dass diese ja ziemlich kalt seinen und besorgt fragte, ob ich denn auch Handschuhe dabei habe. Auf meine Aussage, dass kalte Hände bei einem Baby nicht so sehr viel zu bedeuten haben, erntete ich nur einen ungläubigen Blick. Oder jene mir unbekannte Begleiterin, mit der ich jüngst ein paar Meter durch den Wald stapfte. Die üblichen Small-Talk-Themen mit Kindern ließ sie aus (Geschlecht, wie alt, schläft es schon durch?), um gleich zum Wesentlichen zu kommen: „Und, wollen Sie noch mehr Kinder?“ Das ist ehrlich gesagt nicht unbedingt ein Thema, dass ich mit wildfremden Leuten diskutieren möchte. Als ich mit einem Blick in den Kinderwagen kontrollierte, ob mein Sohn seinen Schnuller noch im Mund hatte, bekam ich folgenden Tipp von ihr: „Passen Sie bloß auf, sonst gewöhnt er sich daran und will später gar nicht mehr ohne Schnuller einschlafen!“ Und auch den Klassiker „Das Kind nicht andauernd auf den Arm nehmen, sonst verwöhnt man es zu sehr“ habe ich auch schon einige Male zu hören bekommen.

Ich frage mich, warum es in einer gewissen Altersklasse zum guten Ton zu gehören scheint, ungefragt Ratschläge zu geben. Denn fast immer sind es Frauen im Alter meiner Mutter oder älter, die mich mit ihrer Lebenserfahrung beglücken. Gleichaltrige Frauen halten sich zurück. Ist es vielleicht eine Art missverstandener Generationenvertrag? So unter dem Motto: „Wir hatten früher eine Großfamilie, die uns in allen Lebenslagen beraten hat und die jungen Dinger von heute sind ja ganz allein.“ Oder brauchen diese Frauen das Gefühl, noch gebraucht zu werden?

Das Problem an der Sache – oder besser: die Probleme – : Ich weiß sehr wohl, wen ich um Hilfe bitten kann, sollte ich mal nicht weiter wissen. Und außerdem habe ich mitten auf der Straße von wildfremden Frauen noch nicht einen einzigen Tipp bekommen, der mir wirklich geholfen hätte. Deshalb hier mein Rat an alle beratungswilligen Frauen da draußen: „Lasst mich mit euren Ratschlägen in Ruhe!“

Babyblau

Schaut man sich in den Abteilungen für Babykleidung um, dann fällt sofort auf: Eltern bleibt kaum etwas anderes übrig als ihre Söhne in blau und ihre Töchter in rosa zu kleiden. Zwar ist es uns gelungen, für unseren zwei Monate alten Sohn einige Strampler in grau, braun und türkis zu finden. Aber Kinderwagen, Schonbezug für die Babyschale, Schneeanzug und erste Mütze sind blau. Er sollte also unterwegs eindeutig als Junge zu identifizieren sein. (Außerdem hat er meiner Meinung nach auch keine besonders weiblichen Züge.)

Trotzdem scheint das Geschlecht meines Kindes regelmäßig Fragen aufzuwerfen. Beim ersten Mal wurde wenigstens noch „Junge oder Mädchen?“ gefragt. Kurz überlegte ich, ob ich einfach mit „Ein Mädchen natürlich!“ antworten sollte. Noch schöner aber war es kurze Zeit später beim Einkaufen. Eine ältere Dame stand neben meinem Einkaufswagen, strahlte meinen Sohn an und wollte wissen, wie alt SIE denn sei. Da fiel selbst mir keine schlagfertige Antwort mehr ein. Um von Anfang an Klarheit zu schaffen habe ich am Kinderwagen einen blauen Anstecker mit der Aufschrift „Prinz“ angebracht.

Inzwischen ist der Lütte aus seiner blauen Mütze rausgewachsen und trägt eine braune Teddymütze. Ich warte schon darauf, wann mich jemand auf das süße Monchichi in meinem Kinderwagen anspricht.

Sag niemals nie

„Sag niemals nie“ – dieser Spruch ist so abgedroschen, dass ich ihn nur als Titel eines James-Bond-Filmes akzeptieren kann. Und trotzdem trifft er gerade genau auf mein Leben zu. Der Grund dafür ist gestern sechs Wochen alt geworden, 50 Zentimeter groß und gnüddelt neben mir auf dem Sofa rum.

Seit der Geburt meines Sohnes mache ich Dinge, von denen ich nie, nie, nie gedacht hätte, dass ich sie tun würde. Eher hätte ich geglaubt, dass ich in einem goldenen Bikini an einem DSDS-Casting teilnehmen und „I will always love you“ singen würde. Wobei ich gestehen muss, dass es sogar schon in der Schwangerschaft anfing. Da ertappte ich mich eines Tages im Drogeriemarkt, wie ich geschlagene 20 Minuten darüber grübelte, welche Art Schnullerband denn die beste für meinen Lütten ist. Silikon? Stoff? Holz? Wenn Holz: unbehandelt oder bunt lackiert? Silikon ist zwar hässlich, kann aber hygienisch in der Spülmaschine gewaschen werden. Stoff ist hübsch, aber wird im angesabberten Zustand schnell siffig. Und was ist, wenn mein kleiner Liebling die bunte Farbe vom Holzband knabbert? Nicht auszudenken. (Davon abgesehen, dass wir bis jetzt noch gar kein Schnullerband gebraucht haben, habe ich mich für eines aus durchsichtigem Silikon entschieden. Nicht schön, aber praktisch. Mütter werden mich verstehen)

Vor ein paar Wochen dann ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass ich ganz unbedingt Desinfektionstücher für unterwegs brauche. Als mir diese Erkenntnis durch den Kopf schoss, stand ich grade bei dm an der Wickelstation und verpasste dem Sohnemann eine neue Büx. Eine Wickelstation übrigens, die sauber, ordentlich und mit großen Unterlegtüchern ausgestattet war. Und obwohl es erstens eher unwahrscheinlich ist, dass ich meinen Sohn (immerhin mein Erstgeborener!!!) an einem Ort nackig machen würde, der auch nur annähernd so dreckig wäre, dass ich ein Desinfektionstuch brauchen würde, trage ich in meiner an eine Reisetasche erinnernden Wickeltasche nicht nur eine Unterlage, eine Decke sowie mehrere Tücher dabei. Trotzdem, inzwischen habe ich natürlich eine Packung sterile Tücher dabei.

Den Mütter-Klassiker habe ich selbstverständlich auch schon im Programm: Das Kind hochheben und an der Hose schnüffeln um zu sehen, ob eine neue Büx gebraucht wird. Und einen Popel habe ich meinem Sohn auch schon aus der Nase gepult. Das Schlimme dabei: Ich fand es nicht einmal widerlich. Hilfe!!!

Ich bin gespannt, was für abstruse Ideen mir noch kommen. Ideen, die mir inzwischen vollkommen natürlich vorkommen werden. Wie Mütter halt so sind.

Ach, und bevor ich es vergesse: Das hier wird jetzt kein weiterer Mami-Blog werden. Obwohl man ja niemals nie sagen soll…