Vom Ball gekullert

Es gibt Dinge, die ich wirklich gut kann. So habe ich beispielsweise einen richtig guten Orientierungssinn und habe fast immer eine Ahnung, wo ich in etwa bin. Auch habe ich ein Talent dafür, mir seltsame Sachen zu merken. Wie den Hochzeitstag von Freunden meiner besten Freundin. Naja, und dann gibt es da noch Dinge, die ich wohl besser lasse. In Anwesenheit anderer Menschen laut zu singen sollte ich zum Beispiel tunlichst vermeiden. Und Sport treiben. Genauer: alles, was Koordination und/oder Rhythmusgefühl verlangt.

Seit einigen Wochen gehe ich regelmäßig zur Rückbildungsgymnastik. In meiner grenzenlosen Naivität glaubte ich ja, dass es sich dabei um ein nettes Mamikränzchen handelt, bei dem man über den Nachwuchs klönt und ab und zu mal eine kleine Übung macht. Pustekuchen! Das sind richtig anstrengende Sporteinheiten. Für die ich leider oft viel zu dusselig bin. Die Aufwärmübung bekomme ich gerade noch einwandfrei hin. Allerdings müssen wir da auch nur auf der Stelle laufen. Doch schon die nächste Ansage überfordert mich. Dabei hört es sich doch so leicht an: Ein Bein wird nach hinten gestreckt, während gleichzeitig der gegenüber liegende Arm nach vorne gestreckt wird. Ich habe es allerdings beinahe geschafft, Arme und Beine gepflegt miteinander zu verknoten. Auch andere, angeblich total einfache Übungen treiben mich zur Verzweiflung. So habe ich es bereits geschafft, von einem kleinen Ball in Handball-Größe zu kullern und bei den Liegestütze, bei denen die Beine auf einem großen Gymnastikball liegen (sollen) habe ich meine Gliedmaßen nicht einmal ordentlich in die Ausgangsstellung bekommen.

Meine Kursleiterin schaut mich inzwischen nur noch mitleidig-fassungslos an und kann gar nicht glauben, dass es Menschen wie mich gibt. Ich hingegen finde es ganz leicht, so zu sein. Vielleicht ist es ja auch eine Gabe? Denn einen Vorteil hat mein unkoordiniertes Herumgezappel allemal: Mein Sohn freut sich wie ein Keks, wenn er mich dabei beobachtet. Das Fremdschämen kommt dann wohl später.